Entwarnung vorweg

 

Sieben vertrauliche Briefe 

über die Liebe und über den Krieg

 

Eine Entwarnung vorweg.

 

Manche mögen verwirrt sein. Sie fragen sich erschrocken: Ja, ist es denn die Möglichkeit!? Bin ich etwa auch so einer?

Einer von denen?

Ein Frauenfeind, ein Frauenhasser, ein waschechter … äh? Na, wie heißen sie? Ein Männerrechtler? Ein Antifeminist? Ein Maskulist? Oder muss es Maskulinist heißen?  

Die soll es ja geben. Man hört gelegentlich davon. Sie sind gefährlich, sehr gefährlich sogar: der Massenmörder Anders Breivik ­– man mag es kaum glauben – ist der heimlichen Held dieser gewaltbereiten Männer. So steht es jedenfalls in einer Studie* – und wenn es in einer Studie steht, dann wird da auch was dran sein.

Meist lauern diese Männer feige im Verborgenen, doch gelegentlich wagen sie sich an die Öffentlichkeit und setzen sich dann kämpferisch in Pose. Was sind das für Zeitgenossen? Gehöre ich etwa dazu?

Soviel scheint klar zu sein: Es sind zumeist alte, weiße Männer, die am liebsten Frauen am Herd anketten wollen. Sie sind konservativ. Sie sind rechtsgerichtet, sie sind womöglich sogar rechtsradikal (na, dann sehen Sie mal selber).

Oder sie kommen direkt aus der Mitte der Gesellschaft. Auch das gibt es. Jedenfalls sind es Leute, die Angst vor Veränderungen haben. Sie wollen die Uhr zurückdrehen. Also – wie ist es? Bin ich auch so einer? Will ich das?  

Nein. Das will ich nicht. Das kann ich auch nicht. Das kann keiner. Nur mein Opa konnte das. Genau gesagt, konnte er die Uhr auch nicht zurückdrehen, aber vordrehen. Ich erinnere mich gut, obwohl ich noch klein war. Und krank. Ich lag mit hohem Fieber auf dem Sofa und starrte auf die langweilige Kuckucksuhr. Da hat mein Opa die Zeiger vorgedreht, damit der Kuckuck kommt, ich was zu lachen habe und wieder gesund werde.  

Ich erwähne das, um bei dieser Gelegenheit auf zwei Texte hinzuweisen, die sich hier auf der Seite finden: in einem geht es um falsche Freunde und falsche Feinde und um die Frage, wer die Uhr zurückdrehen will (der Text wirkt moderat im Ton, die Probleme, die sich dahinter verbergen, haben sich verschärft). In dem anderen Text (es sind genau gesagt zwei andere) geht es darum, was uns erwartet, wenn wir in die Zukunft blicken. Was sehen wir, wenn wir versuchen, die Uhr vorzudrehen? Wie wird es werden? Wie geht es weiter? Wird es womöglich zu einer Fempokalypse kommen?  

Wie man inzwischen weiß, bin ich wieder gesund geworden und habe den Kuckuck überlebt. Es bleibt immer noch die Frage, was aus mir geworden ist.  

Also – wie ist es? Was bin ich für einer? Ich … nun … äh … nun wird es blumig. Ich müsste vielleicht an dieser Stelle einen Schriftzug aufleuchten lassen ACHTUNG KITSCH, so wie man neuerdings Trigger-Warnungen voranstellt.

Doch was soll ich machen? Wie soll ich es denn sonst sagen? Ich kann auch nur die Sprache verwenden, die wir gemeinsam haben; die Vokabeln, die jeder kennt. Ein Vorschlag zur Güte: Machen wir es so: Stellen Sie sich vor, ich würde den nächsten Satz flüstern. Lesen Sie ihn bitte ganz, ganz leise, also …  

Es ist so: „Ich liebe Frauen“. Keine Sorge. Nicht alle. Ich werde darauf zurückkommen.  

Ich will nur noch schnell etwas klären, eh es unter den Tisch fällt und ich womöglich den Eindruck hinterlasse, ich wollte mich vor einer Antwort drücken.  

Das will ich nicht – also: Ich bin kein Männerrechtler. Das möchte ich ausdrücklich betonen, weil ich immer wieder danach gefragt werde. Gerade neulich erst stand in einem überregionalen Magazin (FAZ) unter einem Foto von mir: „Bernhard Lassahn, Männerrechtler“. Dabei hatte ich der Frau, die mich zum Interview geladen hatte, ausführlich erklärt, dass ich keiner bin.  

Wer es aus erster Hand wissen will, von mir persönlich – bitte schön: In meinem Wörterbuch für Frauenversteher, das ich extra für solche Zwecke angelegt habe und ständig ausbaue, gibt es Stichworte zu den Themen: Antifeminismus, Maskulinismus, Männerrechtler.  

Soviel kann ich jetzt schon verraten: Es gibt in Deutschland keine Gruppenrechte, sondern Individualrechte. Das ist auch gut so. Warum sollte ich unter solchen Umständen Männerrechtler sein? Das will ich nicht. Ich will mich nicht stark machen für irgendwelche Rechte (was denn überhaupt für welche?), die an eine Personengruppe gebunden sind. In diesem Fall an die Gruppe der Männer – die es gar nicht gibt.  

Es gibt Männer. Klar. Aber nicht als Gruppe. Es gibt nicht DIE Männer. Man kann sie nicht in eine Kiste packen. Dafür sind sie zu unterschiedlich. Ich bin so einer. Ich bin ein Mann. Ich bin unterschiedlich. Ich bin ein Einzelfall. Ich möchte nicht zusammengepackt werden mit Leuten, mit denen ich nichts zu tun habe und ich möchte nicht, dass ein Urteil, das über andere gefällt wird, auf mich übertragen wird.  

Damit sind wir bei der Liebe. Auch die ist ein Einzelfall – etwas sehr Persönliches. Jeder hat eine Mutter, die einmalig und vermutlich mutterseelenallein ist. Wenn nun ein Mann, der aus dem Alter für Kuckucksuhren raus ist, mit einer Frau zusammen ein Kind hat, dann ist auch diese Frau wiederum eine Mutter und vermutlich ist sie auch mutterseelenallein. Das Kind ist ebenfalls etwas Besonderes, in meinem Fall tatsächlich etwas Einmaliges: Ich habe nur ein Kind.  

Ein Glück!  

Dieses Glück gibt einem das Gefühl, man könnte noch einmal leben und die Welt neu kennenlernen, wenn man niederkniet und wieder mit Kinderaugen staunt.  

Soviel vorweg. Nun habe ich mehr verraten, als ich ursprünglich wollte. Ich mache erst einmal eine kleine Pause, ich grüße herzlich und verweise noch auf die Fußnote

Bernhard Lassahn

 

Fußnote * shoes-89037_640

Professorin Ilse Lenz, die als Granddame des Feminismus gilt, hat einen jungen Studenten eine Studie über die antifeministische Männerrechtsbewegung schreiben lassen und hat sie als „wissenschaftlich“ durchgehen lassen, auch wenn es bestenfalls junk-science ist. Der Knaller ist, dass tatsächlich Anders Breivik aufgeboten wird, um die Männerrechtsbewegung zu kriminalisieren. Einfach so. Ohne Zusammenhang. Es ist ein übles Machwerk mit Falschbeschuldigungen und Unterstellungen. Ich komme auch vor. Und nun ist es soweit. Nun gibt es so eine Studie. Da es vielen Journalisten genügt, wenn sie sagen können, dass es irgendwo irgendeine Studie gibt, die am Beispiel von Breivik zeigt, wie gefährlich Männerrechtler sind, dann wiederholen sie es besinnungslos.  

 

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