Der Sündenfall von Venedig

 

Manchmal gibt es Kritik am Feminismus. Oft fängt sie so an, dass zuerst versichert wird, dass der Feminismus früher einmal sinnvoll und dringend notwendig war, dass er jedoch heute übertreibt und gelegentlich ein irritierende Bild abgibt mit Schlampenparaden, Busenattacken, Femen und dem Kampf gegen die Farbe Pink.

 

Ich blicke auch auf die Geschichte. Ich kritisiere aber nicht die einzelnen Personen, sondern eine besondere Art die Welt zu sehen. Dabei wird eine Erkenntnismethode angewandt, die eine negative Bilanz vorweist, so dass am Ende mehr Falsches als Richtiges herauskommt. Der Fehler liegt darin, dass Frauen und Männer so gesehen werden, als wären sie verfeindet und könnten getrennt voneinander leben.

 

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So eine Weltsicht gibt es schon lange. Sehen wir uns ein frühes Beispiel an. Es ist ein Sündenfall der besonderen Art. Dent entdecken wir in dem Buch Das Verdienst der Frauen. Warum Frauen würdiger und vollkommener sind als Männer von Modesta Fonte.

 

Der Ton kommt uns bekannt vor. Nicht nur der Titel, auch der Inhalt, wenn es etwa heißt, dass Frauen die „bessere körperliche Natur“ hätten und sich „zudem vom Verstand leiten“ ließen, im Unterschied zu Männern, die lediglich ihren „Begierden“ folgten. So komme Frauen natürlicherweise der „Vorrang“ zu. Sie seien nicht nur gut, heißt es, sie seien besser, denn: „Sie fliehen das Böse und widmen sich dem Guten.“

 

Schon gut. Wir kennen solche Töne. Hier klingen sie allerdings etwas altmodisch. Stimmt. Das Buch stammt aus dem Jahre 1600. Von wegen: Früher war alles besser. Auch im Feminismus. Eben nicht.

 

Die junge Witwe Leonora hat in Venedig einen Garten geerbt. Nun fühlt sie sich von ihrem Ehemann ganz „befreit“ und schreibt: „Eher würde ich mich ertränken, als mich nochmals einem Mann zu unterwerfen.“ Sie hat in den Garten einige wohlhabende Frauen eingeladen, um – wie man heute sagen würde – mal so richtig herzhaft über die Männer zu lästern. Eine ihrer Freundinnen ist überzeugt, dass Frauen besser daran täten, sich „jedes Jahr zum Karneval ein schönes Schwein zu kaufen“ statt einen Mann zu heiraten.

 

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Das Buch wurde jüngst in einem angesehenen Verlag neu aufgelegt. In einer Besprechung wird es als „feinsinnig“ gelobt. Es gewähre uns, so heißt es weiter, den Blick auf eine „lange Tradition weiblicher Gelehrsamkeit“. Dabei fällt sofort eine Besonderheit auf. Die Männer, um die es hauptsächlich in dem Buch geht, sind ausgeschlossen, als hätte es vor dem Garten ein Schild gegeben mit einem Strichmännchen darauf und der Zeile: „Wir müssen leider draußen bleiben“.

 

Erst dadurch blüht der Garten richtig auf. Er „ist nicht nur reizvoll, sondern er hat überdies den Vorteil, dass es hier keine Männer gibt.“ So können sich die würdigen Damen in aller Ruhe besprechen: „ohne Scheu vor Männern, die hätten stören oder hindern können“. In der Kritik zu dem Buch heißt es: Ein reines Frauengespräch, wie Modesta Fonte es hier entwarf, war zu ihrer Zeit eine „literarische Innovation“.

 

Ach, nee: Eine Innovation. Das Buch war eine Dummheit und Frechheit in einem, ein Bruch mit der Tradition. Seit Platons Dialogen waren philosophische und literarische Schriften – und so etwas wollte das Buch unbedingt sein – als Dialoge angelegt. Als pro und contra. Für und wider. Hier nicht. Männer werden einfach ausgegrenzt. Die Trennung, die dem ersten „Gebot“ des rassistischen Denkens und Sprechens entspricht, wird zur Voraussetzung des ganzen Experimentes. Nur so kamen die Frauen in Venedig zu ihren Ergebnissen. Die künstlich herbeigeführte Trennung schuf die Illusion, dass es ohne einander ginge.

 

Erst so konnte sich Modesta Fonte fragen: „Könnten wir uns die Männer denn nicht vom Hals schaffen (…) und dieser Last ein für alle mal ein Ende bereiten? Könnten wir nicht ohne sie leben?“

 

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Möglicherweise. Diese vornehmen Frauen hatten Sklaven, von denen sie sich bedienen ließen. Auch Männer hatten sie bisher als Sklaven angesehen. Das erschien der Gastgeberin sogar gerechtfertigt, denn Männer „werden zu Tyrannen, indem sie selbstherrlich die Herrschaft über uns an sich reißen, die wir vielmehr über sie haben müssten. Denn sieht man nicht deutlich, dass es ihre Aufgabe ist, für die Arbeit das Haus zu verlassen und sich abzumühen, um das Geld heranzuschaffen, als wären sie Verwalter, nur damit wir in dem Haus bleiben, unser Leben genießen und wie Hausherrinnen befehlen können. Nur deshalb sind sie von Natur aus robuster und stärker als wir, damit sie die Mühen in unseren Diensten ertragen können.“

 

Klare Worte. Es ist womöglich die Stunde Null der „weiblichen Gelehrsamkeit“, der „feministischen Wissenschaft“ und beschreibt vorausschauend die Ziele der Frauenpolitik von heute. Auch heute geht es um die Trennung von Mann und Frau, die automatisch den feindseligen Tonfall hervorbringt. Es geht auch heute um einseitige Förderung von Frauen und um die Verteufelung der Männer, deren reale Lebenssituation gar nicht erst zur Kenntnis genommen wird. Nach dem Modesta-Fonte-Modell werden immer noch exklusive Frauengruppen gebildet, die den Anspruch erheben, für das Ganze zu sprechen.

 

Modesta Fonte war – so gesehen – die erste Gleichstellungsbeauftragte. Natürlich gab es das Wort noch nicht. Die noble Frau Fonte wurde lediglich von ihren Freundinnen gewählt, so wie eine Gleichstellungsbeauftragte heute auch nur von Frauen gewählt werden darf. Der Garten von Venedig ist außerdem das Vorbild für die Weltfrauenkonferenzen. Männer müssen dabei leider draußen bleiben.

 

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Das Buch ist tatsächlich lesenswert. Nicht etwa wegen der Kochrezepte, die auch darin vorkommen, sondern wegen der speziellen Versuchsanordnung, Männer auszusperren und die Trennung als oberstes Prinzip zu setzen. In der Bibel heißt es zum Sündenfall, dass Adam und Eva sich „erkannten“ – was auch ein anderes Wort für „lieben“ ist. Die Trennung verhindert beides.

 

So erkennen sich Mann und Frau eben gerade nicht. Sie lieben sich nicht.

 

 

siehe auch die Postkarte aus Venedig

 

 

 

 

 

Vergewaltigungen und der fünfte Mann

 

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Sind Sie für oder gegen ein Hotpants-Verbot an Schulen? Eine heiße Frage. Ein heißes Thema. Es geht um ein „gesundes Schulklima“, wie es an einer Schule hieß.

 

Aber mehr noch geht es darum – wie es an anderer Schule heißt, – gewisse „Diskrepanzen“ zu berücksichtigen, weil in der Turnhalle Asylbewerber, überwiegend sunnitische Muslime, untergebracht waren.

 

Wenn wir es richtig heiß haben wollen, müssen wir einen Blick nach Norwegen werfen: In den letzten Jahren hatten sich in Oslo Fälle von Vergewaltigungen gehäuft, bei denen nichtwestliche Ausländer als Täter identifiziert wurden. Im Jahre 2011 waren es doppelt so viele Vergewaltigungen wie im Vorjahr. Deshalb spricht man von einer regelrechten „Vergewaltigungs-Epedemie

 

Zu einhundert Prozent sind die Täter keine Norweger, weshalb die Taten auch „orientalische“ Vergewaltigungen genannt werden. Die jungen Frauen färben sich nun sicherheitshalber die Haare schwarz und trauen sich nur noch in Gruppen auf die Straße. Die politisch korrekte Berichterstattung steckt in einer Zwickmühle, weil sie sich entweder dem Vorwurf ausgesetzt sieht, zum Fremdenhass beizutragen oder das Leid der Frauen zu bagatellisieren.

 

Dass so etwas passiert, liegt nicht an der Haarfarbe, am Minirock oder an den Hotpants. Der Angriff gilt den bedauernswerten Mädchen nicht nur im Einzelfall. Sie werden zugleich als Repräsentanten des westlichen Lebensstils angegriffen. Die Verachtung der muslimischen Männer richtet sich gegen ein Gesamtbild, das sich aus vielen Mosaiksteinen zusammensetzt, zu denen Lady Gaga, Pussy Riot, die Femen und andere Heldinnen der Schamlosigkeit gehören, aber auch Feministen, die Männer hassen, Abtreibung propagieren Schlampenparaden veranstalten und sich Parolen auf die nackte Brust schreiben.

 

Man muss sich nicht in der Nähe eines Schulhofs aufhalten, um einen Eindruck von den Sitten der westlichen Frau zu erhaschen. Es genügt, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen oder das Fernsehen einzuschalten, in dem Stars wie Lady Bitch Ray gefeiert werden. Vom Internet ganz zu schweigen. Sex, Sex, Sex überall. Neuerdings auch im Kindergarten. Vergewaltigungen scheinen in unseren Breitengraden etwas Alltägliches zu sein. Feministen haben ausgerechnet, dass alle sieben Sekunden eine Frau vergewaltigt wird. Deshalb musste es auch unbedingt Frauenparkplätze geben, damit wenigstens in Parkhäusern die Vergewaltigungen zurückgehen.

 

Nein. Darum geht es nicht. Sicherheit wird auf diese Weise nicht geschaffen. Es wird die Angst vergrößert. Frauenparkplätze und andere Schutzräume, die „nur für Frauen“ eingerichtet werden, sind Hysterie-Tankstellen, die bestätigen, dass die Ängste berechtigt sind. Die Angst vor Gespenstern gilt damit als Beweis für die Existenz von Gespenstern. Es wird unwidersprochen verkündet, dass alle Männer Vergewaltiger sind, „auch die netten“, wie Alice Schwarzer extra betont hat. Von den Universitäten in Amerika hören wir, dass es da eine regelrechte „Vergewaltigungskultur“ geben soll. So ist unsere Kultur.

 

Was macht das für einen Eindruck? Der muslimische Zuwanderer spürt, was hier los ist; er bemerkt die Verlorenheit der hiesigen Frauen, die kein Vertrauen haben und die niemanden mehr – auch nicht sich selbst – respektieren. Vergewaltigt werden sie sowieso. Es gibt keinen anderen Zusammenhang mehr, in den ihre Sexualität eingebettet sein könnte. Sie sind Frauen ohne Welt. Sie haben keine Traditionen, die sie respektieren. Ehe und Familie sind ungültig geworden. Sie respektieren die Alten nicht. Sie haben keine Ehre. Keine Sitte. Keine Moral. Keinen Glauben. Keine Treue. Keine Verpflichtung. Keine Verantwortung. Keine Bindung. Keinen Bruder. Kein Kind. Keinen Mann. Keinen Vater.

 

Und damit auch keinen Schutz. Stellen wir uns den umgekehrten Fall vor: Ein norwegischer Tourist vergewaltigt eine Frau in einem islamischen Land. Vermutlich würden er noch in selbiger Nacht gelyncht werden. Wäre er in einem Land, in dem Schusswaffen frei verfügbar sind, hätte er vier Kugeln im Kopf: eine vom Vater, eine vom Bruder, eine vom Ehemann, eine vom Sohn.

 

Die westliche, weiße Frau dagegen hat sich von allen losgesagt: „Väter sind Täter“, lautet die feministische Parole. Auch die Brüder wurden ausgemustert. Nach den inzwischen verbindlich gemachten Sprachregelungen, die Luise Pusch vorgegeben hat, heißt es: „alle Menschen werden Schwestern“. Der Ehemann – falls es überhaupt jemals einen gab – ist entsorgt, ein mögliches Kind wurde abgetrieben.

 

Die Trennung ging von den Feministen aus. Männer konnten sich dagegen nicht wehren. Heute hat ein Vater keine Autorität mehr, er darf nicht einmal erfahren, ob er wirklich der Vater ist; die Frau hat heute ein – wie es heißt – Recht auf „geschützten Mehrverkehr“, womöglich darf er sich der elterlichen Wohnung nur noch bis auf fünfzig Metern nähern. Ein Ehemann hat keine Möglichkeit, eine Scheidung und den Verfall der ganzen Familie zu verhindern. Einen Bruder haben die vielen Einzelkinder sowieso nicht – Kinder auch nicht.

 

So bleibt einer Frau der fünfte Mann, der gefährliche (aber auch faszinierende) Fremde. Es bleibt ihr außerdem die Solidarität mit Feministen. Und es bleibt ihr die Sehnsucht nach einem starken Staat – nach einem totalitären Staat. Die westliche, weiße Frau hat sich dem „großen Bruder“ anvertraut, der tatsächlich mehr und mehr so geworden ist, wie ihn George Orwell beschrieben hat: ein Überwachungsstaat, der „doublethink“ eingeführt hat, und Männer in ihrem Sinne überwacht und zur Kasse bittet.

 

Der Staat ist großer Bruder und Vater zugleich. Deshalb sagt man auch, dass sich die westliche Frau „Vater Staat“ an die Brust geworfen hat. Er soll ein möglichst strenger und mächtiger Vater-Ersatz sein. Er bemüht sich ja. Er hat eine imposante Frauen-Bevorzugungs-Bürokratie aufgebaut, die sich allerdings in erster Linie darum kümmert, sich selbst zu erhalten. Vater Staat fördert alles, was die Geschlechtertrennung weiter vorantreibt und verspricht den alleinstehenden Frauen neue Karriere-Chancen, um eigenes Geld zu verdienen und auf eigenen Füßen zu stehen – bis sie im Alter merken, dass Alleinsein nicht glücklich macht und das Geld nicht reicht.

 

Es wird kein gutes Ende nehmen. Der Staat kann einer Frau die vier Männer, von denen sie sich losgesagt hat, nicht ersetzen. Er kann sie im Ernstfall nicht einmal schützen. Das merken die jungen Frauen – nicht nur in Norwegen: Polizei und Presse halten sich bedeckt, und im Schatten der Political Correctness können die orientalischen Vergewaltiger ungestraft agieren. Für die Frauen ist es ein weiterer Beweis dafür, dass die Männer auf der ganzen Linie versagt haben. Alle. Sie sind böse. Sie sind Verbrecher. Sie taugen nicht als Beschützer.

 

In Alexis Sorbas von Nikos Kazantzakis wird beschrieben, wie fremde Männer in ein Dorf kommen und die jungen Mädchen darauf mit Angstreflexen reagieren und weglaufen. Warum? Sie haben eine tief sitzende Panik geerbt, aus Zeiten, als Piraten die schutzlosen Inseln überfielen und Menschen raubten, entführten und versklavten. Das war nicht nur auf Kreta so, sondern auch in Irland und Island, wo man bis heute – um das Trauma zu verarbeiten – an Gedenktagen Szenen aus solchen Dramen nachspielt und die Verstecke aufsucht, in denen sich die Frauen einst in Sicherheit gebracht hatten. Die feministische Vergewaltigungs-Propaganda nutzt die alte Angst und benennt einen neuen – allerdings falschen – Feind: den Ehemann, den Vater. Damit stürzt die ängstliche Frau ins Bodenlose.

 

Zu einer Vergewaltigung gehören mehr als zwei. Als im Zweiten Weltkrieg Soldaten aus Russland und aus der Ukraine ins Deutsche Reich einfielen und massenhaft Frauen vergewaltigten, taten sie das nicht allein deshalb, weil sie so lüstern gewesen wären und es auf die deutsche, blonde, unschuldige Frau abgesehen hätten – so wie es die Propaganda ausgemalt hat.

 

Sie taten es, weil sie den deutschen Mann hassen gelernt hatten und alles vernichten wollten, was diesem lieb und teuer war. In Berichten aus früheren Kriegen kommt das noch deutlicher heraus: Ein Sieger, der die Frau des Besiegten vergewaltigt, siegt damit zum zweiten Mal. Gemeint ist bei so einem Verbrechen nicht nur die Frau allein, sondern auch ihr Mann, dem damit eine weitere Niederlage zugefügt wird. Die Attraktivität der Frau spielt eine untergeordnete Rolle.

 

Wichtiger als ihr Reiz ist die Verachtung, die einer Frau entgegenschlägt. Der Vergewaltiger drückt nicht etwa Zuneigung aus, sondern Ablehnung. Nicht Verehrung, sondern Geringschätzung. Was Oslo erlebt, ist nicht etwa ein Krieg des Mannes gegen die Frau, wie es uns die feministische Propaganda weismachen will, die gewohnheitsmäßig falsch verallgemeinert. So ist es nicht. Es ist ein Krieg der Kulturen: Der orientalische Vergewaltiger vergreift sich ausschließlich an westlichen Frauen, nicht an orientalischen.

 

Er kann sehr wohl unterscheiden. Er vergreift sich gezielt an dem Typus Frau, der seine Werte verlacht und bedroht; ein Typus, der, wie er meint, sowohl von Männern als auch von geschützter, exklusiver Sexualität in der Ehe nichts wissen wolle. Keusche Jungfrauen dagegen wären potentielle, schützenswerte Heiratskandidatinnen. Es ist außerdem ein Krieg des orientalischen Mannes gegen den westlichen Mann, bei dem der Vergewaltiger zum Rächer und Eroberer zugleich wird.

 

Der weiße, westliche Mann wird für Vergewaltigungen beschuldigt, die oftmals keine sind. Und denen, die wirklich welche sind, muss er tatenlos zuschauen. Er ist in einer wahrlich tragischen und traurigen Lage. Er durchleidet das, was in dem Buch Schande beschrieben wird. Dort ist der Schauplatz Südafrika. Der Held wird beschuldigt, ein Vergewaltiger zu sein. Er verliert dadurch seine berufliche Existenz, obwohl es in Wahrheit eine unbedeutende Affäre mit Einverständnis der Frau war.

 

 

Schließlich kommt es in dem Buch von John M. Coetzee doch noch zu einer richtigen Vergewaltigung: Seine Tochter fällt vor seinen Augen einem Schwarzen zum Opfer. Er selbst wird verletzt, der Vergewaltiger versengt seine Augenbrauen. Am Ende hat der schwarze Mann nicht nur die Tochter, sondern auch den Besitz des weißen Mannes erobert.

 

 

Es deutet sich an, dass wir solche Dramen auch in unseren Landen erleben werden – in anderer Besetzung, in anderen Variationen, in kleinen und in größeren Dosierungen. Mit und ohne Hotpants.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Paradiesische Insel – nun auch für Schwule

 

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Ich werde leicht seekrank. Dennoch hat es mich erwischt. Das Meer hat gerufen – ich habe es deutlich vernommen. Also reiste ich in die Südsee und kam nicht mehr zurück. Doch. Schon. Irgendwie. Ich lebe inzwischen in Berlin, aber ich konnte nicht so recht loslassen. Ich habe schließlich Geld in einen Umschlag gesteckt und das Mitteilungsblatt der Insel Pitcairn und der benachbarten Norfolk Inseln bestellt. Nur wegen der Briefmarken. Das Mitteilungsblatt selber habe ich – im Unterschied zu Ulli Kulke (der viel darüber geschrieben hat) – gar nicht gelesen.

 

Ich sammle nicht nur Briefmarken, sondern auch alles, was mit der ‚Schatzinsel’, mit Stevenson und mit der Meuterei auf der Bounty zusammenhängt. Um es kurz zusammenzufassen: Die Verfilmungen vermitteln einen falschen Eindruck. Kapitän Bligh war in Wirklichkeit kein Wüterich, sondern ein liberaler Reformer und erfolgreicher Politiker, der im vergleichsweise hohem Alter an Land starb.

 

Er konnte sich – so unwahrscheinlich das war – in einem spektakulären Manöver, das heute von Extremsportlern nachgespielt wird, vor den Meuterern in Sicherheit bringen, konnte sich und einige Getreue retten und sich bis nach Timor und von da aus zurück nach England durchschlagen. Und was geschah dann mit den Meuterern? Wie ging die Geschichte weiter?

 

Die Meuterer der Bounty fuhren tatsächlich zurück zu den Inseln, von denen sie eben erst aufgebrochen waren, zurück zu ihren geliebten polynesischen Frauen. Lord Byron, der die Meuterer in seiner Dichtung zu Freiheitshelden machte, glaubte, dass sie direkt ins Paradies aufbrachen. Der empfindsame Fletcher Christian wollte ursprünglich im Alleingang von Bord flüchten oder sich aus Liebeskummer umbringen, er wurde jedoch überredet, ersatzweise eine Meuterei anzuzetteln, damit sie gemeinsam zurück zu den Frauen fahren konnten. Fletscher wollte vor allem eins: zurück zu seiner Geliebten.

 

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War es Liebe? Sex? Kapitän Bligh sah darin den wahren Grund für die Meuterei. Er kannte die besonderen Verlockungen schon von vorhergehenden Expeditionen mit James Cook, an denen er teilgenommen hatte. Die Matrosen waren überwältigt gewesen, sie hatten es noch nie erlebt, dass ihnen wunderschöne Frauen dermaßen zugetan waren. Schon bei den Expeditionen unter Cook hatte es das Problem gegeben, dass große Teile der Mannschaft nicht wieder zurück an Bord und lieber in den Armen von Südsee-Schönheiten bleiben wollten. Cook musste ahnungslose Insulaner gefangen nehmen und einen regelrechten Geiselaustausch anbieten, um seine Mannschaft wieder vollzählig einzusammeln.

 

„Return to Paradise“ – das liest man heute auf den bunten Bussen, die in Samoa über die Insel tuckern. Eben das taten die Meuterer: Sie kehrten mit der Bounty zurück in ihr Paradies. Doch Fletcher Christian und seine Kameraden fühlten sich da nicht sicher. Sie mussten fürchten, dass eines Tages ein englisches Schiff käme, dass sie nach London vor das Marinegericht und dann direkt an den Galgen brächte. Deshalb blieben sie nicht lange und flohen mit dem erbeuteten Schiff ins Ungewisse.

 

Als sie zufällig die Insel Pitcairn entdeckten, die mit falscher Position verzeichnet war, glaubten sie sich gerettet. An Bord der Bounty waren neun europäische und sechs polynesische Männer sowie zwölf polynesische Frauen. Die Besiedlung der unbewohnten Insel wurde zu einem einmaligen Menschheitsexperiment. Jeder Europäer hatte eine Gefährtin. Die sechs Polynesier, die wie Menschen zweiter Klasse behandelt wurden, mussten sich die übrigen drei Frauen teilen.

 

Es kam zum Krieg. Robert Merle, der für historische Romane und Reportagen bekannt ist, hat die unglaubliche Geschichte des großen Gemetzels auf kleinem Raum in seinem Buch mit dem unscheinbaren Titel Die Insel als Parabel erzählt. Es ist nicht nur ein toller Schmöker, der allerlei Abenteuer unter Palmen bietet, wie es die Werbung für das Buch nahelegt, es ist ein großartiger Gesellschaftsroman, den ich empfehle.

 

Was geschah? Im Jahr 1800 blieb als einziger erwachsener Mann der ehemalige Matrose John Adams übrig, zusammen mit zehn Polynesierinnen und 23 Kindern der Europäer, nachdem sich die anderen alle gegenseitig umgebracht hatten. Die polynesischen Männer hatten keine Nachkommen. Das finde ich bemerkenswert.

 

Die anderen Meuterer, die sich der Flucht ins Ungewisse nicht angeschlossen hatten und in ihrem vermeintlichen Paradies geblieben waren, wurden wie befürchtet aufgegriffen und an den Galgen geliefert. Kapitän Bligh war tatsächlich zurückgereist und hatte die Meuterer eingefangen. Als sein neues Schiff, die Pandora, im Great Barrier Reef auf Grund lief, rettete er so viele seiner Gefangenen wie möglich, um sie vor ein ordentliches Seegericht und damit an den Galgen zu bringen. Lediglich der blinde Musiker wurde begnadigt.

 

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Mit dem Bau des Panamakanals änderten sich die Seerouten. So wurde die Insel Pitcairn zufällig von einem britischen Handelsschiff entdeckt. Den überraschten Engländern bot sich das Bild einer friedvollen und gottesfürchtigen Gemeinschaft. Von dem gerade erst überstandenen Krieg ahnten die Neuankömmlinge nichts, aber die berühmte Meuterei auf der Bounty hatten sie noch gut in Erinnerung.

 

Sie hatte damals schon Legenden-Status. Adams wollte sich freiwillig dem Seegericht stellen und zurück nach England. Ihm wurde jedoch verziehen, und die gesamte Insel wurde zu einem Idyll verklärt. Dort, so dachte man, lebten Menschen, die allein mit der Bordbibel eine friedliche Zivilisation aufgebaut hatten. 1856 hatte Pitcairn schon fast 200 Einwohner. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gab es dank weltweiter Spenden sogar eine Zeitung, eine Schule und einen Kindergarten. Auf Pitcairn wurde 1838 auch das erste Wahlrecht für Frauen eingeführt.

 

Das 21. Jahrhundert brachte Pitcairn einen neuen Krieg. Diesmal keinen rassistischen, sondern einen sexistischen. Jetzt standen nicht Engländer gegen Polynesier, sondern Männer gegen Frauen. Nach Gerüchten über Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch von Minderjährigen wurde eine britische Polizistin nach Pitcairn entsandt, um Ermittlungen einzuleiten. Pitcairn war keine Südseeinsel mehr, Pitcairn gehörte seit 1838 zu Großbritannien – und damit gehört die Insel auch zu Europa. Auf der anderen Seite der Welt wurde nach aktuellen EU-Standards festgelegt, wer als „minderjährig“ gilt, wie schwer mögliche Vergehen sind und wann sie verjähren.

 

Die Erhebungen führten zu Strafverfahren gegen sieben von damals zwölf erwachsenen Männern. Angeklagt wurde in insgesamt 55 Fällen, die bis zu vierzig Jahre zurückreichten. Für die Verhandlungen wurden Baumaßnahmen erforderlich, und die Bevölkerung verdoppelte sich kurzfristig: Richter, Polizisten und Journalisten wurden auf die Insel verschifft. Das ganze Theater kostete rund zwanzig Millionen Dollar. In Adamstown, der kleinen Ansiedlung, die nach dem einzigen überlebenden Meuterer benannt ist, wurde eigens ein Gefängnis errichtet. Vorher gab es so etwas nicht.

 

Heute können Touristen darin übernachten. Die Männer, die da einst inhaftiert waren, hatten ohnedies Freigang gehabt, weil man auf ihre Arbeitskraft nicht verzichten konnte. Männer gelten aber weiterhin als gefährlich. Der Besuch von Kindern auf der Insel ist reglementiert. Beamte der britischen Regierung dürfen ihren Nachwuchs nicht mitnehmen. Die von freilaufenden Männern auf Minderjährige ausgehende Gefahr gilt nach wie vor als viel zu groß. Das findet auch die australische Fluggesellschaft Virgin: Männer dürfen nicht neben alleinreisenden Kindern sitzen und müssen den Platz wechseln.

 

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Neulich versuchte Pitcairn neue Bewohner anzulocken, es wurde kostenlos Land und Steuerfreiheit angeboten. Eine Trauminsel, die alles bietet: Es gibt unberührte Natur, einen imposanten Sternenhimmel unter dem Kreuz des Südens und Internet. Bisher meldete sich nur ein einziger Interessent. Obwohl es inzwischen noch eine weitere Attraktion gibt.

 

 

 

Der Rat der Insel hat einstimmig die Homo-Ehe beschlossen. Interessant ist die Begründung. Denn so recht hatte sich niemand für das Thema interessiert: „Aber es ist wie alles andere in der Welt“, erklärte eine der Ureinwohnerinnen – die überhaupt keinen Homosexuellen, der einen anderen heiraten wollte, kennt –, „wenn es überall anders geschieht, wieso nicht?“ Ja, wieso nicht?

 

Vielleicht lockt es ja jemanden an.

 

 

Bernhard Lassahn: die Geschichte der Pitcairn Insel gibt es im ersten Band von ‚Frau ohne Welt’. ‚Schatz der Bananenbieger’ ist eine Südseegeschichte mit richtigen Piraten. Dazu gibt es ein Buch und ein Lied.

 

Wie alles anfing

Knirps

 

Dieses frühe Foto, das vermutlich aus dem Jahre 1954 stammt, dokumentiert die Anfänge. Ich wurde schon im zarten Alter (ich war drei) geschlechtersensibel erzogen und lernte schon früh, mit Rollenbildern und Stereotypen umzugehen und die weiblichen Elemente in mir zu entdecken.

Ich lernte auch, mit den Doppeldeutigkeiten der Sprache zu leben. Dieses Bild verkörpert nämlich ein Teekesselchen: Knirps und Knirps. In der linken Hand halte ich einen Knirps (Regenschirm), gleichzeitig bin ich selber einer.

Das Buch wird vorgestellt

 

Teil 1, Krieg gegen den Mann 

 

Auszüge

Früher gab es das Weib, die Hausfrau, die Jungfrau, das Fräulein, die Nonne, die Dirne, die Dame, die Hexe, die Heilige, das Mädchen, die Mutter – und so weiter. Es gab nicht »die Frau«.

 

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Was bisher geschah

Andreas Lombard hat Werkstattberichte verfasst, da heißt es:

Heute haben der Autor und ich zwei Zitate für die vordere Umschlagklappe ausgewählt. Das erste Zitat stand bereits seit längerem fest. Und zwar deshalb, weil es die Bedeutung des Titels auf die denkbar kürzeste und amüsanteste Weise erläutert. Bei diesem Zitat handelt es sich um einen Witz, und der geht so:

 

          Er:

            „Schatz, wollen wir nicht eine Weltreise machen?“

          Sie:

“            Ach nein, ich möchte lieber woanders hin.“

 

Um es vorweg zu sagen: Dieser Witz ist nicht etwa »frauenfeindlich«, sondern männermelancholisch. Es ist ein Witz über die Melancholie des Mannes, der die Frau nicht mehr erreicht. Mit gar nichts. Nicht einmal damit, dass er ihr die ganze Welt zu Füßen legt. 

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Zitate

zu dem Buch

„Bernhard Lassahn schreibt für die Liebe zwischen den Menschen und prangert den ‚sexistischen Bolschewismus in einer Diktatur’ mit harten Tatsachen an.

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Interview

Deutschlandradio Kultur

Gespräch mit Florian Felix Weyh (Ausschnitt)

 

Florian Felix Weyh

„Frauenlob ist der durchgehende Ton in einer von Männern gemachten Kultur – sagt der Mann.“



Bernhard Lassahn

„Ich bin selber auch ein Frauenlober, ein Liedermacher. Ich habe jedenfalls versucht, Liebeslieder zu schreiben. Das find ich ganz normal.“



Florian Felix Weyh

„So weit, so normal.“



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Interview 2

 

André Rebenow

Seit wann sind Sie am Thema Feminismus und seine Folgen und wie sind Sie dazu gekommen? 

Bernhard Lassahn

In den 70er Jahren habe ich in Wohngemeinschaften mit Frauen gelebt, die ich sehr gern mochte und die ganz selbstverständlich mehr oder weniger feministisch gesinnt waren, was mir zunächst sympathisch, wenn auch etwas unheimlich war, aber eigentlich wussten sie selber nicht, wie ihnen geschieht. Wirrnis gab es allerdings auch an anderen Stellen. Das war eben so im „Dunkel des gelebten Augenblicks“. Ich habe damals Musikveranstaltungen mit politischem Anspruch organisiert – auch welche „nur für Frauen“ und ich habe mich sogar für ein „Frauen-Taxi“ engagiert. Allerdings war mir nicht wohl dabei.

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Interview 3

 

Jonas Lengfeld

In Ihrem Buch ‚Frau ohne Welt’ konstatieren Sie einen „Krieg der Frau gegen den Mann“. Mit welchen Waffen wird dieser „Krieg“ ausgefochten, wo ist das Schlachtfeld und woran bemessen sich Sieg oder Niederlage?

Bernhard Lassahn

Krieg! Das wirkt überraschend, weil nicht mit konventionellen Waffen gekämpft wird. In Venedig habe ich bei der Bienale eine Video-Installation von Pipilotti Rist gesehen, bei der gezeigt wurde, wie zwei Mannschaften gegeneinander antraten: Die einen spielten Fußball, die anderen Handball. Es war derselbe Ball …

So ist der Krieg von heute: Er wird mit ungleichen Waffen geführt. Er ist indirekt. Wir haben ein Schlachtfeld in der Küche, im Kinderzimmer und im Bett …

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