Das Buch wird vorgestellt

 

Teil 1, Krieg gegen den Mann 

 

Auszüge

Früher gab es das Weib, die Hausfrau, die Jungfrau, das Fräulein, die Nonne, die Dirne, die Dame, die Hexe, die Heilige, das Mädchen, die Mutter – und so weiter. Es gab nicht »die Frau«.

 

 

 

Heute schon. Dass wir von »der Frau« sprechen können, wie wir es gewohnheitsmäßig tun, ist erst durch eine sexistische Verallgemeinerung, bei der nur das Geschlecht gesehen wird, möglich geworden.

Wenn wir heute »Frau« sagen, meinen wir eine, die nicht an etwas gebunden ist: die bedingungslose, die beziehungslose Frau. Also nicht etwa die Frau, die wir am Muttertag beschenken (das wäre eine »Frau + Mutterschaft«), oder die, der wir am Internationalen Frauentag gedenken (das wäre eine »Frau + Werktätigkeit«).

Heute verstehen wir »Frau« als ein Wesen ohne weitere Angaben, ohne jedes +. Eine Frau ohne alles. Eine Frau ohne Welt. Frauen gibt es natürlich. Aber es gibt nicht „die“ Frauen. „Die Frauen“ sind nur ein Konstrukt. Ausgerechnet diese gespenstischen Frauen, die es eigentlich nicht gibt, sind die Grundlage der Frauenpolitik.

 

Rassismus und Sexismus

Wir sind uns doch einig: Wir sind gegen Rassismus, oder? Doch dann sollten wir auch gegen Sexismus sein. Der folgt nämlich denselben Regeln. Er ersetzt nur »Rasse« durch »Geschlecht«. Das sexistische Modell, das uns der Feminismus aufdrängen will, funktioniert so wie das rassistische. Die vier Gebote, die vier Leitgedanken einer rassistischen »Philosophie«, sind leicht zu erkennen: 

Erstens wird eine Trennung behauptet. Zweitens wird das Positive der einen Seite und das Negative der anderen Seite verallgemeinert. Es wird drittens ein Wettbewerb inszeniert, der viertens mit der Niederlage des Angeklagten endet.

 

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Die Trennung, die Scheidung

Wenn wir früher, als in Berlin noch die Mauer stand, sagten, dass die »Ostberliner und Westberliner« mit bangen Erwartungen das Neujahrsfest feierten, sprachen wir von zwei verschiedenen Gruppen, die in zwei von einander getrennten Sektoren lebten. Beim Fall der Mauer herrschte »grenzenloser Jubel«, »die Berliner« waren einen Moment lang glücklich, egal ob sie im Osten oder im Westen lebten, ob sie alt oder jung, männlich oder weiblich waren.

Wenn es heute »Berlinerinnen und Berliner« sind, die zu Silvester die Korken knallen lassen, dann steht das »und« für die neue Mauer. Die neue Mauer steht überall. Es geht nicht nur um Grammatik, sondern auch um Mengenlehre. Es stellt sich nämlich die Frage: Handelt es sich hier um eine Menge oder um zwei?

 

Der Doppelfehler 

Boris Becker bescherte uns eine Begeisterung für Tennis und einen neuen terminus technicus: den Doppelfehler. In dem Denken der Frau ohne Welt findet sich so ein Doppelfehler: eine falsche Trennung und eine falsche Verallgemeinerung. Es ist der grundsätzliche Doppelfehler der feministischen Erkenntnismethode – einer Methode mit negativer Bilanz. Es kommt mehr Falsches als Richtiges dabei heraus, und es entstehen unberechtigte Vorwürfe. Der Doppelfehler ist das Strickmuster der Anklagen, aus denen sich das feministische Weltbild zusammensetzt.

 

Ein Beispiel aus der Literatur

Lew Tolstoi wird von feministischer Seite vorgeworfen, er habe »jämmerliche Frauengestalten« geschaffen. Erster Fehler: Trennung. Wie sieht es mit jämmerlichen Männergestalten aus? Die gibt es ebenfalls, siehe Kreuzersonate. Zweiter Fehler: Verallgemeinerung. Hat er nur jämmerliche Frauengestalten geschaffen? Nein. Siehe Anna Karenina. Richtig ist also, dass wir bei Tolstoi unterschiedliche Frauen- und Männerfiguren finden, voll aus dem Leben gegriffen und künstlerisch gestaltet. Da gibt es nichts zu meckern.

Doch der Doppelfehler macht es möglich, dass Klage erhoben und raunend ein Unrecht gegenüber der Frau im Allgemeinen beschworen wird. Die Verallgemeinerung schafft böses Blut, die Trennung macht klärende Gespräche schwer, wenn nicht gar unmöglich.

 

Kriegspropaganda

Der Islam kennt die Formel »Salah-Allah-Alayhi-Wa-Salaam« – ein Anhängsel, das bei jeder Erwähnung Mohammeds dem Namen angefügt wird und so viel heißt wie »Friede sei mit ihm«.

Wir haben auch unsere Beschwörungsformel, die bei jeder nur möglichen Gelegenheit mitgesprochen werden muss. Der Sprachfeminismus fordert bei jeder Pluralbildung das große Binnen-I oder die Doppelnennung (»VerkehrsteilnehmerInnen« oder »Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer«). Es bedeutet: »Sex-Flagge hissen«, »Gemeinsamkeiten abstreiten« und »Trennung zwischen Frau und Mann betonen«. Am Ende heißt das: »Krieg sei zwischen Frau und Mann.« Immer und überall.

Der Feminismus schlägt mit einem »Doppelfehler« auf: Er trennt, was zusammengehört (Mann und Frau), und er verallgemeinert, was es nicht allgemein gibt (Gut und Schlecht). Er gibt der Frau gute Eigenschaften und dem Mann schlechte. Erst in der Sprache, dann in der Wirklichkeit. In einem Krieg gegen den Mann wird ihm erst seine Männlichkeit geraubt und dann seine Menschlichkeit.

Nun wird der Ball mit einem Friedensangebot zurückgespielt.