Das kleine Wörtchen „alle“

… lockt alle in die Falle

Die gendergerechte Sprache ist ein totalitäres System

 

 

„Für eine sanfte Revolution der Sprache“. Klingt interessant – oder? So lautete der Titel einer Diskussion im Rahmen des evangelischen Kirchentags, der unter dem Motto steht: „Du siehst mich“ (1. Mose 16,13).

 

Es ging um „gerechte“ oder „geschlechtergerechte“ Sprache. Ich war dabei. Das war was für mich. Nicht nur für mich. Es geht uns alle an, sofern wir ein Geschlecht haben, sprechen können und uns nicht nachsagen lassen wollen, dass wir gegen Gerechtigkeit sind. Es ist allerdings nicht klar, wie man am besten „gendert“ – so nennt man das, wenn man versucht, die gerechte Sprache anzuwenden.

 

Geht es auf die sanfte Art? Vielleicht. Auch die CDU-Frauen wollen, wie es der ‚Spiegel’ süffisant ausgedrückt hat, „ein bisschen gendern“. Nur ein bisschen. Sie wollen gemäßigt gendern. So soll es nach den Wünschen der CDU-Frauen in Zukunft heißen: „Der Parteitag wählt auf Vorschlag der oder des Vorsitzenden die oder den Generalsekretär/in“.

 

Da habe ich mich gleich gefragt: Was ist in die Damen gefahren? Warum wollen sie nun doch ein Tänzchen wagen mit einem Verführer, den sie jahrelang verschmäht haben? Und warum wollen sie nur ein bisschen gendern? Sind sie etwa auch ein bisschen schwanger? Bemühen sie sich um ein bisschen Rechtsstaatlichkeit? Um ein bisschen Frieden? Vielleicht mögen sie auch das Lied ‚Gib mir’n ein kleines bisschen Sicherheit’ von der Gruppe Silbermond. (Dabei geht es um ein billiges, leicht zu knackendes Fahrradschloss, das sich die Sängerin zum Valentinstag wünscht … aber womöglich habe ich den Text nicht richtig verstanden).

 

Ein bisschen totalitär

 

Ein „bisschen“ geht nicht. Es geht – genau gesagt – gar nicht. Bei dem so genannten „gendern“ handelt es sich nicht etwa darum, einen neuen Begriff in das Lexikon aufzunehmen, den man bei passender Gelegenheit benutzen kann und bei unpassender Gelegenheit nicht. Es handelt sich vielmehr um einen Eingriff in die Regeln der Grammatik, die bei jeder Gelegenheit angewendet werden sollen. Das haben Regeln so an sich.

 

Doch keiner weiß genau, wie man gendern soll. Da kommen ständig neue Vorschläge hoch (Doppelnennung, Binnen-I, (m/w), _innen, /innen, *innen …). Bisher hat sich keiner der Vorschläge bewährt. Es sind aber neue in Arbeit.

 

Wir wissen aber, warum wir gendern sollen. Warum? Um Geschlechtergerechtigkeit zu schaffen. Das klingt nach einer großen, womöglich nur schwer oder gar nicht lösbaren Aufgabe. Kann man das auf die sanfte Tour schaffen? Das ist die Frage.

 

Nächste Frage: Was ist Geschlechtergerechtigkeit? Nun, das sagt uns das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die haben es in einer Erklärung zur Strategie des Gender Mainstreaming zusammengefasst. (Die CDU-Frauen kennen den Satz bestimmt. Den haben sie auf einen Zettel geschrieben und tragen ihn stets in der Handtasche bei sich, falls sie es wieder vergessen haben – also):

 

„Geschlechtergerechtigkeit bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern zu berücksichtigen.“

 

Aha. Entscheidend in diesem Merksatz ist das unscheinbare Wort „allen“! Immerhin: Man kann es sich leicht merken. Nun wissen wir auch, wann wir gendern sollen. Wann? Immer. Ganz einfach. Gender Mainstreaming gilt immer (!) und überall (!). An anderer Stelle in den Erklärungen zur Geschlechtergerechtigkeit heißt es zur Abwechslung „regelmäßig“ (!).

 

GM ist also eine Strategie – auch Querschnittsaufgabe genannt –, die sich in alle (!) Lebensbereiche einmischen will, um überall (!) eine Unterschiedlichkeit zu berücksichtigen, das heißt in Wirklichkeit: um überall (!) eine Trennung vorzunehmen, um alles (!) Gemeinsame zu zerstören und um überall (!) Geschlechterapartheid vorzuschreiben.

 

Hier muss niemand zum Finale einer aufwühlenden Rede fragen: „Wollt ihr die totale Gender-Sprache?“ Die Frage erübrigt sich. Es gibt die Gender-Sprache nur in der totalen Version. Das liegt daran, dass der Eingriff in die Sprache über das Regelwerk erfolgen soll, und dass nach Meinung der AktivistInnen oder Aktivist*innen – wie ich sie aktuell korrekt bezeichnen soll – es sowieso „keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit“ gibt (Das meinen sie tatsächlich. Sehen Sie sich die Seite des oben erwähnten Bundesministeriums an, da steht es) und dass daher alles, aber auch alles, alles, alles geschlechtersensibel betrachtet werden muss.

 

Non Stop Sex Show. Non Stop Gender Trouble

 

Überall lauert der Unterschied zwischen männlich und weiblich. Wer es noch nicht mitgekriegt hat, sollte sich spaßeshalber ein Musikvideo angucken – nämlich dieses hier –, das versucht, alle Tummelplätze aufzulisten, auf denen sich heutzutage Sexismus breit macht und dringend durch Geschlechtergerechtigkeit bekämpft werden muss: everything is sexist.

 

Also: Bei jeder nur möglichen Gelegenheit soll das Geschlecht berücksichtigt werden, als wäre die Welt eine einzige Non Stop Sex Show. Bei jeder Gelegenheit wird gedanklich in die Unterwäsche gegriffen. Mary Daly ist eine Vordenkerin des Sprachfeminismus, der man nicht nachsagen kann, dass sie sanft ist – im Gegenteil. Ihr Markenzeichen ist die Doppelaxt. Sie ist berühmt für ihre ruppige Art – und ihre Wortspiele. Sie spricht vom „dicktionary“. Klar, oder? Um es kurz zu erklären: Das Wörterbuch („dictionary“) untersteht ihrer Meinung nach voll und ganz dem männlichen Geschlechtsteil („dick“).

 

Es erinnert mich an den Witz, in dem ein Psychiater einem Patienten verschiedene Darstellungen von Dreiecken und Kreisen zeigt und nachfragt, was sich der Patient darunter vorstellt. Der arme Kerl auf der Couch erkennt überall nackte Frauen. Als der Psychiater sorgenvoll die Stirn in Falten legt, verteidigt er sich: „Warum zeigen Sie mir dauernd solchen Schweinkram? Wer von uns beiden ist denn hier versaut?“

 

So geht es uns, wenn mir geschlechtergerecht sprechen wollen. Wir sollen immer an Sex denken. An Sex, nicht an Gender. Wenn es um „Selbstabholerinnen und Selbstabholer“ geht oder um „Benutzerinnen- und Benutzerfreundlichkeit“ von Oberflächen, über die man mit dem Finger wischt – woran denken wir dann? Daran dass hier zwei Gruppen erwähnt werden, die durch soziale Einflüsse, denen sie ausgesetzt waren, unterscheidbar sind – also anhand von Gender-Kriterien – oder an zwei Gruppen, die man unterscheiden kann, weil eine mit einem weiblichen, die andere wiederum mit einem männlichen Geschlechts-Apparatus ausgestattet ist?

 

Der kleine Zettel kann in den Papiermüll

 

Das Beispiel passt: es geht nur um die Oberfläche. Nicht um Inhalte. Es werden Mengen gebildet, die nur oberflächlich betrachtet als Menge gelten können und lediglich aus toten Zahlen mit Geschlechtsteilen bestehen, nicht aus lebendigen Menschen mit Albträumen, Wünschen, Sehnsüchten, Plänen, Krankheiten …

 

Es werden eben gerade nicht die „unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen“ berücksichtigt, wie es auf dem kleinen Zettel heißt. Eben nicht! Sondern? Was wird berücksichtigt? Das Geschlecht. Anders geht es gar nicht. Es müsste sonst eine jeweils unterschiedliche, der speziellen Situation angemessene Formulierung genutzt werden.

 

Aber ein Geschlecht ist immer dabei und die Geschlechtszugehörigkeit ist nun mal unterschiedlich. Na und? Das muss nicht zu einer unterschiedlichen Interessenslage in allen Bereichen des Lebens führen. Es muss auch nicht zu einem dauerhaften Getrenntsein der Geschlechter führen. Die Geschlechter können sich auch ihrer Unterschiedlichkeit erfreuen und daraus etwas Gemeinsames entstehen lassen.

 

Doch darüber können wir nicht mehr reden, wenn wir die geschlechtergerechte Sprache benutzen, denn diese Sprache betont das Trennende. Immer. Bei jeder Gelegenheit. Auch wenn Männer und Frauen in Wirklichkeit keine unterschiedlichen, sondern gemeinsame Interessen haben.

 

Sie sind nämlich eigentlich ganz nett, sie sind gar nicht solche Sexmonster, wie ihnen unterstellt wird. Sie möchten gerne etwas selbst abholen und wollen in Ruhe die Vorteile einer benutzerfreundlichen Oberfläche genießen, ohne dabei von Fragen zur Sexualität oder zur Genderpolitik belästigt zu werden.

 

Doch es geht nicht. Was immer sie an Interessen und Lebenswirklichkeiten gemeinsam haben, wie gut sie sich auch verstehen mögen: immer steht ihnen ihre unterschiedliche Geschlechtszugehörigkeit im Weg und soll als etwas Trennendes hervorgehoben werden. So will es jedenfalls die geschlechtergerechte Sprache. Das Unterschiedliche wird damit schwuppdiwupp zum Trennenden, das nicht mehr überwunden werden kann, es wird unversehens zum Unversöhnlichen. Denn die Unterschiede sollen „regelmäßig“, sie sollen bei jeder Gelegenheit gelten.

 

Die PolitikerInnen oder Politiker*innen – wie ich sie aktuell korrekt bezeichnen soll – können den kleinen Zettel gleich wieder zerreißen. Geschlechtergerechtigkeit ist nicht das, was sie vorgibt zu sein. Noch einmal: Es werden nicht die unterschiedlichen Interessen und Lebensweisen berücksichtigt, sondern die unterschiedlichen Geschlechtszugehörigkeiten.

 

Die ausgestreckten Finger der Geschlechterpolitik zeigen nicht auf die Situationen, in denen sich die Menschen befinden, sondern auf deren Geschlechtsteile. Merkt das eigentlich niemand von denen, die sich Geschlechtergerechtigkeit auf die Fahne geschrieben haben?

 

Vielleicht bemerken sie es nicht, weil sie von der Position des Wortes „unterschiedlich“ in dem Satz getäuscht worden sind. Schauen wir noch einmal hin. Worauf bezieht sich dieses „unterschiedlich“? Auf unterschiedliche Lebenswirklichkeiten und Interessen? Oder auf die Unterschiedlichkeit der Geschlechter? Worauf wird hingewiesen?

 

Wenn wir den Satz (flüchtig) lesen, haben wir den Eindruck, dass sich dieses lästige „unterschiedlich“ auf die Interessen und Lebenswirklichkeiten bezieht. In der Tat. Die können sehr unterschiedlich sein. So unterschiedlich, dass man sie nicht bei jeder Gelegenheit mit ein und derselben Formulierung beschreiben kann.

 

Aber. Jetzt kommt es: Die Interessen und Lebenswirklichkeiten sind nicht immer unterschiedlich. Worin liegen denn – bitte schön – die unterschiedlichen Interessen und Lebenswirklichkeiten von Menschen, die etwas selbst abholen wollen? Na gut, die mag es geben. Aber wie sollte man sie erstens beschreiben und zweitens berücksichtigen? Sind sie überhaupt wichtig?

 

Sie lügen, ohne es zu merken

 

Es ist ja nicht schlimm, wenn Politiker, Poeten sowie alle anderen, die gerne viel reden, sich mit unwichtigen Dingen befassen, schlimm ist, wenn sie uns zwingen wollen zuzuhören und wenn sie nicht aufrichtig sind. Wenn sie schummeln. Wenn sie aus Schlamperei oder Hinterhältigkeit einen wichtigen Unterschied nicht beachten. Genau das machen die Verfechter einer geschlechtergerechten Sprache: Sie unterscheiden grundsätzlich nicht zwischen Situationen, in denen Frauen und Männer unterschiedliche Interessen haben und Situationen, in denen sie gemeinsame Interessen und gemeinsame Lebenswirklichkeiten haben. Sie tun so, als hätten sie immer unterschiedliche Interessen.

 

Das unscheinbare Wort „allen“ hätte sie warnen müssen. Wenn etwas in allen Fällen gilt, wird es bedeutungslos. Mehr noch: Es wird zur Lüge – nämlich in den Fällen, in denen es gar keine Unterschiede gibt.

 

Da haben wir sie. Die verfaulte Olive im Obstsalat. Hier liegt die ganz spezielle, recht gut – aber auch nicht allzu gut genug – versteckte Unwahrhaftigkeit der geschlechtergerechten Sprache.

 

 

Siebenter Brief

 

 

Briefmarke

 

Das gefährliche Halb-Wissen-Wollen

 

 

 

 

Liebe Frauen

 

Wenn Sie bedenken, dass ich mit einem „Doppelherz“ bei der Friedensbewegung war, dann verstehen Sie vielleicht, dass ich mich nicht darüber gefreut habe, dass mein dickes Buch Auf dem schwarzen Schiff von der Kritik als „Animal Farm der Friedensbewegung“ bezeichnet wurde, als Beispiel für die „Dialektik der Aufklärung“.

 

Es klingt eigentlich ganz gut. Es verleiht dem Buch eine gewisse Bedeutung. Aber es wirkt auch so, als hätte ich die Friedensbewegung verraten, als hätte ich sie feige im Stich gelassen und würde nun gegen sie aussagen. Das wollte ich nicht. Inzwischen bin ich unsicher. Ich weiß nicht mehr, was ich von dem Pazifismus halten soll – und was von einer neuen Kriegsgefahr.

 

Ein möglicher Titel für das Buch, der lange zur Diskussion stand, war zum Beispiel: Die Friedenspiraten. So sahen sich die Aktivisten nämlich selber: als Piraten für den Frieden.

 

Was hatten sie vor? Sie wollten auf Segelschiffen verbotene Bücher nach Afrika bringen. Es sollte eine künstlerische und zugleich politische Aktion sein; eine Aktion, die symbolisch und zugleich konkret ist. Sie wollten damit Frieden nach Afrika bringen.

 

Ja, tatsächlich: Bücher bringen Frieden. Das haben sie wirklich gedacht. Es ist gar nicht so naiv, wie es auf den ersten Blick erscheint. Bücher können Türen zu anderen Welten öffnen, sie können Verständnis für das, was man noch nicht kennt, ermöglichen. Bücher können die Leser in der Kunst einüben, sich dem anderen anzunähern und über den Tellerrand der Ichbezogenheit hinauszugucken.

 

Diese Idee stand auch hinter dem Programm, das mich einst als Austauschschüler nach Michigan gebracht hat. Entstanden waren solche Programme aus den Erfahrungen des letzten Krieges. Die neue Jugend sollte sich nicht in Organisationen wie der Hitler-Jugend austoben, vielmehr sollte sie sich mit anderen Lebensweisen in anderen Gesellschaften auseinandersetzen und versuchen, in der Fremde wie unter Freunden zu leben.

 

Solche Jugendlichen würden sich nicht mehr so leicht in einen Krieg schicken lassen. Denn Verständnis und Wertschätzung für den anderen immunisiert gegen Hetze und Propaganda und arbeitet damit auch gegen den Krieg. So konnte man noch in den 70er Jahren argumentieren, wenn man begründen wollte – und das musste man auch –, warum man den Kriegsdienst mit der Waffe verweigern wollte. Das habe ich getan. Ich denke im Grunde immer noch so, und es gefällt mir, was in dem Briefwechsel von Albert Einstein an Sigmund Freud steht, da heißt es: „Alles, was der Kunst dient, arbeitet auch gegen den Krieg.“

 

Auch Malala Yousafzai, die mit 18 die bisher jüngste Friedensnobelpreisträgerin ist, fragt in aller Unschuld: „Wieso ist es so leicht, Waffen zu geben, aber so schwer, Bücher zu geben? Wieso ist es so einfach Panzer zu bauen, aber so schwer Schulen zu errichten?“ Auch sie teilt diesen zerbrechlichen Traum: „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und Stift können die Welt verändern.“

 

Die Hippies gingen noch weiter. Sie wollten nicht nur, dass die Menschen lesen, Musik hören und sich besser verstehen, sie sollten sich auch lieben:

 

Make Love. Not War.

 

Remember? Das war die berühmte Hippie-Parole. Ob man tatsächlich Liebe „machen“ kann, lasse ich mal dahingestellt sein. Ich hatte von Anfang an meine Zweifel, ich war aber auch schwer beeindruckt von der praktischen Art der Amerikaner, die kurzerhand die Milch in Cornflakes-Packungen schütteten und die Turnschuhe gleich mit in die Waschmaschine steckten zu den T-shirts mit der Aufschrift „Just do it“.

 

Sei’s drum. Ich nehme zur Kenntnis, dass wir das heute so handhaben wollen: Liebe „macht“ man, Sex „hat“ man. Na dann: viel Spaß. Für mich klingt es schon wieder nach einem Open-Air-Festival bei freiem Eintritt und mit einer Musik, bei der sich am Ende alle in den Armen liegen. Es kommt mir zu schön vor, um wahr zu sein, aber vielleicht bin ich auch ein schwieriger Fall mit ungewöhnlich trägem Herzen. Ich sollte mich nicht so anstellen und nicht immer so kritisch aus der Wäsche gucken.

 

Das tue ich aber. Und ich werfe weiterhin einen kritischen Blick auf die Feministen. Die haben nämlich den alten Hippie-Spruch umgedreht: Sie wollen zukünftig keine Liebe mehr zwischen den Geschlechtern – das meinen sie wirklich so, wir sollten uns darüber nicht hinwegtäuschen. Es gibt viele Zitate, die das belegen und viele Taten, die es beweisen. Sie haben stattdessen den Geschlechter-Krieg erklärt:

 

Make Sex War. Do Not Make Love.

 

So ein Krieg geht notwendigerweise gegen alles, was gegen den Krieg arbeitet. Also: gegen die Kultur. Gegen den Dialog. Gegen die Möglichkeiten der Verständigung. Gegen eine Wertschätzung des anderen.

 

Es ist also keine Überraschung: Der Feminismus bringt neue Bücherverbote mit sich. Neue Formen der Zensur. Neue Denkverbote. Neue Verständigungsverbote. Boykott von Diskussionsveranstaltungen. Offene Gewaltdrohungen gegen Männer, die sich für ihre Interessen einsetzen wollen. Das Niederbrüllen von Rednern.

 

Deswegen ist auch der ständige Angriff auf die Sprache von Seiten der Feministen keine Kleinigkeit. Auch wenn es auf manche so wirkt. Ich nehme das ernst. Ich tue das nicht, weil ich – wie man leichtfertig sagen könnte ­– Sprache liebe. Ich liebe die Sprache natürlich nicht, ich liebe Menschen.

 

Ich habe auch nichts gegen Veränderungen. Erst recht nicht gegen kreative Neuerungen. Auch nicht in der Sprache. Aber was uns mit der „geschlechtergerechten“ Sprache zugemutet wird, ist nicht nur eine Verhunzung, wie oft gesagt wird, es ist eine vorsätzliche Beschädigung, mit der das Miteinanderreden beendet wird. Es wird die Grammatik durcheinandergebracht. Es werden Begriffe umgedeutet. Es werden die Menschen verwirrt.

 

Alle, die sich frei von der Leber weg äußern wollen, werden gedemütigt, weil man sie nötigt, etwas zu sagen, das sie gar nicht sagen wollen und gestern noch als falsch empfunden haben. Die feministische Auffassung, dass bei jeder Gelegenheit die Unversöhnlichkeit der Geschlechter betont und grundsätzlich alles, was irgendwie „männlich“ wirkt, als böse anzusehen ist und wie Unkraut ausgerottet werden muss, wird als gegeben vorausgesetzt. Mit jeder Formulierung sollen wir uns dazu bekennen.

 

So können wir nicht mehr miteinander reden.

Doch genau das möchte ich weiterhin tun.

Deshalb diese Seite.

 

Deshalb der Versuch zur „Rettung der Liebe“, wie es im Untertitel zu den drei Frau-ohne-Welt-Büchern heißt. Ich weiß selber, dass es pathetisch klingt. Aber darum geht es. Und was ist Liebe? What is love anyway? Liebe ist ein Versprechen. Liebe ist ein guter Plan. Liebe vergrößert.

 

Sie beginnt mit dem Verstehen, mit dem Erkennen, wie es schon Adam und Eva geschafft haben. Deshalb ist es auch so schädlich, wenn man nicht neugierig ist, wenn man gar nicht erst etwas erkennen will (weil man glaubt, schon alles zu wissen), wenn man den anderen ignoriert, ihn ausschließt und den Blick mit Vorverurteilungen verstellt. Wie es die Feministen mit ihrer aufgesetzten Halbblindheit tun. Doch ich will nicht nur über den Schaden jammern, sondern den Nutzen betonen.

 

Der Nutzen liegt in der Möglichkeit, die Zukunft zu gewinnen, sich an einer „dritten Sache“ zu beteiligen, die größer ist als man selber.

 

Damit endet der siebente Brief

Mit herzlichen Grüßen

von

Bernhard Lassahn

 

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Falsche Freunde. Falsche Feinde

 

 

Falsche Freunde und falsche Feinde.

Die halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.

 

2fünfvor

 

 

 

 

 

Es ist immer fünf vor zwölf

 

Es geht um brutale Gewalt, um Schwule, Lesben, Transen und Feministen, sowie um Bücher und Meinungsfreiheit. Im übertragenen Sinne geht es um die Uhr des Lebens, um Lawinen sowie um Adler und andere Vögel. Außerdem geht es – ebenfalls im übertragenden Sinne – um eine brennende Hütte und um die Frage, warum Volker Beck nicht die Feuerwehr ruft.

 

Die Bundestagsfraktion der Grünen hat in Berlin ein Fachgespräch veranstaltet mit prominenter Besetzung auf dem Podium, u.a. mit Volker Beck, Kai Gehring, Prof. Sabine Hark, Ulle Schwaus, Laurel Braddock (Beratung für schwule und lesbische Heranwachsende) und Anne Wizorek.

 

Sie sind allesamt bekannt als schwule, lesbische oder feministische Aktivisten. Das passt. Es ging bei dem Fachgespräch nämlich um „Strategien gegen Anti-Feminismus und Homophobie“ – also um Strategien gegen Leute, von denen die Promis auf dem Podium annehmen durften, dass sie von denen nicht gemocht werden und dass die sich ihren aktuellen Plänen in den Weg stellen wollen.

 

Es ging nicht etwa um ein Gespräch mit diesen Leuten. Vielmehr ging es um ein Gespräch über solche Leute. Da sich alle auf dem Podium einig waren, war es langweilig. Es war eine Verkündung von oben herab zu einem gleichgesinnten Publikum. Es war keine Diskussion mit Für und Wider, Pro und Contra, wie man das vielleicht noch von früher kennt.

 

 

Die Lawine und die Adler

 

Zwei fatale Irrtümer wurden bei der Veranstaltung deutlich. Nicht etwa dem Publikum oder den Meinungsführern auf dem Podium. Im Gegenteil – die schienen sich pudelwohl zu fühlen. Den kritischen Beobachtern wurden sie indes schnell klar, zum Beispiel dem Informatiker Hadmut Danisch, der darüber einen launigen Bericht verfasst hat, der gut zu lesen, aber auch von erschreckender Deutlichkeit ist. Oder Wolle Pelz, ebenfalls Informatiker und freiwilliger Protokollführer, dem aufgefallen ist, dass stets von „Maskulinisten“ die Rede war – eine Bezeichnung, mit der eine Menschengruppe benannt werden soll, die es gar nicht gibt.

 

Der erste fatale Irrtum liegt darin, dass der richtige Gegner nicht erkannt wird. Die Experten auf dem Podium wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben. Kein Wunder also, dass niemand auf dem Podium war, der auch nur ansatzweise anderer Meinung war; die Veranstalter hätten gar nicht gewusst, wen sie hätten einladen sollten; denn sie wissen tatsächlich nicht, wer diejenigen sind, denen sie mit ihren „Strategien“ entgegentreten wollen und wer diejenigen sind, die eine wirkliche Gefahr darstellen.

 

Oder sie wissen es sehr wohl und verschweigen es bewusst. In beiden Fällen ist es fatal für die Lesben, Transen, Homos und Feministen, die damit über ihre wahren Gegner getäuscht werden. Gleichzeitig werden unnötigerweise diejenigen, die gar nicht die wirklichen Gegner sind, bestraft und geschädigt.

 

Stellen wir uns vor, da geht ein Wanderer auf einem Weg, auf dem die Gefahr besteht, dass ausgerechnet da Lawinen niedergehen. Nun kommt die Bergwacht, verschweigt dem Wanderer die Gefahr von Lawinen und redet ihm ein, dass er von Adlern bedroht sein könnte, deshalb müsse man überlegen, ob nicht zu seiner Sicherheit alle Adler und bei der Gelegenheit auch alle sonstigen Vögel abgeschossen werden müssen.

 

Der zweite Irrtum liegt darin, dass die Herrschaften auf dem Podium verkennen, was die vermeintlichen Gegner eigentlich angreifen wollen. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die berühmte Unterscheidung, die früher einmal gemacht wurde, als – zumindest nach außen hin – differenziert wurde zwischen Gewalt gegen Sachen und Gewalt gegen Menschen. Hier findet so eine Differenzierung nicht statt: Es werden dem empfindsamen Publikum Menschenfeinde präsentiert, die in Wirklichkeit keine Menschenfeinde sind, sondern Sachfeinde.

 

Eine sachliche Diskussion wird jedoch gemieden. Um welche Themen geht es? Anne Wizorek fasste die Kritik, die sie wahrnimmt, folgendermaßen zusammen: Sie richtet sich gegen Gender-Mainstreaming, gegen die „Wissenschaft von der Geschlechter-Forschung“, gegen geschlechtergerechte Sprache, gegen Quotenregeln.

 

Zu diesen Punkten wird jedoch grundsätzlich keine Kritik zugelassen. Ersatzweise wird jeder, der Kritik dazu äußert, als antifeministisch, rechtsradikal und homophob hingestellt und geächtet. Deshalb ging es auch, wie es der Titel der Veranstaltung sagt, um „Strategien gegen …“ – jedoch nicht um Strategien gegen Meinungen, sondern um Strategien gegen Menschen. Da keine Sachdiskussion stattfindet, werden aus Gegnern in der Sache schwuppdiwupp Gegner der Menschen.

 

Doch in Wahrheit werden die Schwulen, Lesben, Transen und Feministen nicht gehasst. Jedenfalls nicht von denen, die ihnen das Podium präsentieren will. Natürlich ist es so, dass sie nicht von allen geliebt werden. Das kann man auch nicht erwarten. Aber jemanden nicht zu lieben, bedeutet nicht, ihn zu hassen. Kritik ist ebenfalls kein Hass, sondern Kritik. Die ist nicht nur erlaubt, sie ist notwendig. Die Kritik, die es tatsächlich gibt, richtet sich nicht gegen die Menschen im Publikum, sondern gegen die Politik, die von den Aktivisten auf dem Podium vertreten wird.

 

Die anwesenden Tunten – es waren jedenfalls auffällig viele da – werden damit an einem empfindlichen Punkt berührt. Ihre Besonderheit konfrontiert sie ständig mit der Frage: Wie wirke ich? Wie reagieren andere auf mich? Auf diese „gute Frage“, wie man heute sagt, erhalten sie eine schlechte Antwort. Sie sind weder so beliebt und so wichtig, wie es ihnen die Grünen weismachen wollen, noch sind sie so verhasst. Die Grünen präsentieren sich als falsche Freunde und bieten ihnen an, sie vor falschen Feinden zu schützen.

 

 

Sind sie von allen guten Geistern verlassen? Sind Intellektuelle jetzt ihre Gegner?

 

Kai Gehring, Mitglied des Bundestages, hat diejenigen, die er als Gegner sieht, grob in drei Gruppen aufgeteilt. Wohlgemerkt: Er sieht eine Gegnerschaft in Menschen, nicht in Argumenten. Er nennt dann auch keine Argumente, sondern Menschengruppen – und zwar: die „religiös Motivierten“, die „politisch Motivierten“ und … An dieser Stelle will ich gleich einen ersten Zwischenruf anbringen: „Na und?!“

 

Das besagt gar nichts. Warum sollte man etwas gegen solche Leute haben? Wir haben Religionsfreiheit und wir wünschen uns mündige Bürger, die sich engagieren und die gut motiviert an der Gestaltung der Politik mitwirken und nicht einfach nur lustlos alle vier Jahre ein kleines Kreuzchen malen. Was ist dagegen einzuwenden? Motiviert zu sein ist noch kein Inhalt und macht noch lange keine Gegnerschaft aus.

 

Die dritte Gruppe, die Kai Gehring erwähnt – die „Intellektuellen“ – bilden überhaupt keine Gruppe. Das sind einzelne, die von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen, die sich auf eigene Faust an Diskussionen beteiligen und so am Prozess der Meinungsbildung mitwirken. Dagegen spricht auch nichts. Die geheimnisvollen Maskulinisten gehören zu den Intellektuellen.

 

Wenn wir uns die Gruppen näher ansehen, bestätigt sich, was ich anfangs angesprochen habe – nämlich: Die angeblichen Gegner sind allesamt harmlos und stellen für Lesben, Schwule, Transen und Feministen keinerlei Gefahr dar. Die „Gruppe“ der Intellektuellen sowieso nicht. Die schreiben nur, die beißen nicht. Es sind womöglich seltsame, aber letztlich ungefährliche Vögel: Adler, Geier, Nachtigallen, Papageien … Intellektuelle hassen auch nicht – ihr Intellekt verbietet ihnen das. Sie bemühen sich vielmehr um eine wahrhaftige Sicht auf die Welt in ihrer Komplexität. Mehr oder weniger erfolgreich, versteht sich.

 

Außerdem bewegen sich die Autoren im geschützten Freiraum des Geistes. Die Meinungs- und Kunstfreiheit, die sie für sich in Anspruch nehmen, korrespondiert mit der Freiheit des Lesers, der sich nach der Lektüre seine eigene Meinung bilden kann (und das auch tun soll) und der selbstverständlich die Freiheit hat, ein Buch nach wenigen Seiten beiseitezulegen oder gar nicht erst anzufassen. Lesen färbt nicht ab. Wenn jemand ein Buch liest, bedeutet es nicht, dass er allem, was darin steht, zustimmt und eins zu eins für sich zu übernehmen muss.

 

Eine Leserschaft ist ebenfalls keine Gruppe. Sonst hätten wir es mit einer unüberschaubare Menge von Gruppen zu tun: mit Harry-Potter-Lesern, Shades-of-Grey-Lesern … Hinzu kommt, und das sollte Kai Gering berücksichtigen, dass die meisten mehr als ein Buch lesen.

 

Einfach nur ein paar Namen von Autoren in den Raum zu werfen – wie es auch Volker Beck getan hat – und dabei gänzlich auf Inhalte zu verzichten, verrät eine Haltung, die das Individuelle nicht schätzt und die Freiheit der Kunst und Meinungsäußerung missachtet. Das ist intellektuellenfeindlich, was eine Variante von Menschenfeindlichkeit ist, und wirkt so, als hätten die Politiker der Grünen Angst davor, dass jemand selbständig denkt.

 

Den Eindruck musste man tatsächlich haben. Da wurden vom Podium herab Namen präsentiert, als würden sie damit zum Abschuss freigegeben: Kelle, Kuby, Matussek, Martenstein, Pirincci. Ich bin mir sicher, dass die Herrschaften die Bücher gar nicht gelesen, sondern nur irgendetwas darüber gehört haben. Schlimmer noch: Sie sind offenbar der Ansicht, dass es auch nicht nötig ist, sich damit zu befassen. Name genügt. Angela Merkel hat Sarrazin schließlich auch nicht gelesen.

 

So werden diese Autoren, die etwas „zur Sache“ geschrieben haben, hingestellt als wären es Autoren, die etwas „gegen Menschen“ haben. Damit wird dem Publikum unnötig Angst gemacht und es werden Autoren, die mit ihrem Namen für das einstehen, was sie schreiben, persönlich angegriffen. André Heller sagte einst: „Denn merke: Wer das Denken nicht attackieren kann, attackiert den Denkenden“.

 

Die Herrschaften auf dem Podium schienen nicht viel von ihrem Publikum zu halten. Sie vermuteten – wahrscheinlich sogar zu recht –, dass es aus unkritischen Jubeltunten besteht, die schon zufrieden sind, wenn man – was unter Intellektuellen als Foulspiel, ja geradezu als Todsünde gilt – nicht etwa die Position, sondern die Person angreift und sich damit auf die ganz billige Tour eine inhaltliche Auseinandersetzung erspart.

 

 

Politiker, die Angst haben vor der Demokratie

 

Bei den „politisch Motivierten“ nannte Kai Gehring die AfD. Auch hier möchte ich ihm ein herzhaftes „Na und?!“ entgegenhalten. Die AfD ist neu im Parteienspektrum, ihr Programm unterscheidet sich von dem der Grünen und sorgt damit für eine wünschenswerte Vielfalt. Niemand muss sie wählen (es muss auch niemand ein Buch lesen). Soweit ist alles prima. Nun treten die Parteien in einen offenen Wettbewerb um Wählerstimmen. So ist Demokratie. Was ist daran falsch?

 

Von einem Mitglied des Bundestages erwartet man nicht unbedingt Leseempfehlungen (man erwartet auch nicht, dass von Büchern abgeraten wird), vielmehr wünscht man sich einen Bericht aus der Welt, in der sich ein Politiker auskennt. Wie ist es da? Wie sehen die Differenzen auf der politischen Bühne aus? Da kommt nichts. Fast nichts. Die AfD will partout nicht „gendern“ wird geklagt, die wollen stur bei diesem „AfD-Sprech“ bleiben, wie die nicht gegenderte Sprache inzwischen genannt wird. So der Vorwurf. Da wurde es endlich mal konkret. Und banal.

 

Wieder ertönt ein herzhaftes: „Na und?!“ So wird man nicht zum Gegner. Wenn jemand weiterhin so reden will, wie er es bisher getan hat, dann gehört er zu den Leuten, die bei einer Mode nicht mitmachen wollen, bei der sie auch nicht mitmachen müssen. Nicht-Mitmachen ist keine Gegnerschaft. Wenn sich jemand einer Sprachvorschrift nicht unterwerfen will, dann kann der Grund dafür auch in der Fragwürdigkeit der Sprachvorschrift liegen.

 

Es herrscht sowieso politische Windstille. Es gibt keinen scharfen politischen Gegenwind. Scharfen Gegenwind, den die Grünen fürchten müssten, gäbe es, wenn die AfD als etablierte Regierungspartei an der Macht wäre und sich aus der Position der Stärke heraus Strategien überlegte, wie sie der Gender-Sprache entgegentreten könnte und beispielsweise Strafmandate für den Gebrauch des Binnen-Is in Erwägung zöge.

 

So ist es nicht. Das war nur ein Gedankenspiel mit mehreren Konjunktiven. Selbst wenn es so wäre, dann befänden wir uns damit immer noch im grünen Bereich. Da blieben wir auch, solange die politischen Auseinandersetzungen weiterhin nach genau den Regeln ablaufen, die dafür vorgesehen sind. Selbst wenn es jemals soweit kommen sollte, müssten die Grünen damit umgehen können und müssten so eine Auseinandersetzung nicht fürchten. Es sei denn, sie fürchten die Regeln der parlamentarischen Demokratie. Tun sie das? Es sieht fast so aus.

 

Die Ja-Sager und die Nein-Sager

 

Wenn man sich ein brauchbares Bild von den Gegnern machen wollte, müsste man noch eine weitere Unterscheidung treffen, die sich anhört, als wollte man sich auf Brecht und das Stück die ‚Jasager’ beziehen („Viele werden nicht gefragt, und viele sind einverstanden mit Falschem. Darum: Wichtig zu lernen ist Einverständnis“). Wir müssen nämlich nicht nur zwischen Ja-Sagern und Nein-Sagern unterscheiden, sondern obendrein zwischen Nein-Sagern und Nichts-Sagern. Wir kennen das: Der Computer bietet uns immer wieder drei und nicht nur zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Ja/ Nein/ Abbrechen.

 

Denn die meisten sagen nicht etwa „Nein“ zu Homos, Feministen und Transen – also zu den so genannten Buchstabenmenschen, den LGBTIlern ­– sie sagen vielmehr gar nichts dazu. Sie kennen sie nicht mal. Die meisten sagen auch nicht „Nein“ zu den Bildungsplänen (die sie auch nicht kennen). Sie sagen auch nicht „Nein“ zu einer gendergerechten Sprache, so wie es die AfD tut, sie sagen einfach nichts dazu. Ein „Nicht“ ist kein „Nein“. Im politischen Spektrum sind die Nichts-Sager inzwischen die größte Gruppe, es sind die Nicht-Wähler.

 

Auch bei denen müssen wir unterscheiden – das klingt wiederum nach Ernst Bloch – zwischen einem Noch-nicht und einem Nicht-mehr, also zwischen denen, die noch nicht so weit sind, dass sie sich zu einem „Ja“ oder „Nein“ durchringen konnten und denen, die eine klare Ja- oder Nein-Position inzwischen wieder verlassen haben.

 

 

Eine kurze Meldung zwischendurch für alle, die ungeduldig werden und sich langsam langweilen – wie es bei einem Kommentar zu einer solchen Veranstaltung auch zu befürchten ist: Die Lawine kommt noch.

 

 

Ich will nur noch schnell – was ich schon früher hätte tun sollen – auf den Titel der Veranstaltung hinweisen: ‚Wer will die Uhr zurückdrehen?’ Na, wer wohl? Keiner. Falls es doch einen geben sollte, dann wird er damit keinen Erfolg haben. Auch nicht bei dem Versuch, die Uhr anzuhalten. Beides geht nicht. Brauchen die Grünen etwa Strategien gegen Leute, die etwas versuchen wollen, das sowieso zum Scheitern verurteilt ist?

 

2fünfvor

 

 

 

 

 

 

Wohl kaum. Ihre Strategien richten sich gegen etwas anderes; sie richten sich, wie sie es selbst sagen, gegen Reaktionäre. An dieser Stelle soll mein letztes „Na und!?“ ertönen. Es reicht nicht, einfach nur zu sagen, dass es Reaktionäre gibt, ohne zu erklären, was an deren Haltung so schlimm sein soll. Reaktionäre gibt es. Es wird sie immer geben. Jedenfalls solange die Bevölkerung noch nicht gleichgeschaltet und über einen großen Kamm geschoren ist. Wenn es keine Reaktionäre gibt, gibt es auch keine fortschrittlichen Kräfte.

 

Erst wenn alle auf einem Entwicklungsstand sind, ist Ruhe. Friedhofsruhe allerdings. Dann gibt es keine Sitzenbleiber und keine Überflieger mehr. Dann gibt es nicht mehr das, was Ernst Bloch die Ungleichzeitigkeit genannt hat. Dann gibt es niemanden mehr, der noch nicht – oder nicht mehr – „Ja“ oder „Nein“ sagen möchte, dann sagen alle nichts, beziehungsweise alle dasselbe – was letztlich auf dasselbe hinausläuft. Dann ist eine Egalität erreicht, bei der alles egal ist. Dann kann der Nachtwächter getrost verkünden, dass die Uhr nichts geschlagen hat.

 

So langsam verdichten sich die Hinweise, dass die Grünen genau das anstreben. Ein erster Hinweis lag in dem flüchtigen Blick auf die politische Landschaft, auf die Gruppe der „politisch Motivierten“, wie Kai Gehring sie genannt hat. Da war kein wirklicher Gegner mehr erkennbar. Kein Wunder.

 

Die Parteien sind längst gleichgeschaltet. Alle sind dem Gender Mainstreaming verhaftet, alle gendern die deutsche Sprache zugrunde und haben schon längst keine Wähler mehr, sondern „Wählerinnen und Wähler“, alle beteiligen sich am Gender-Pay-Gap-Schwindel, alle sind für Quoten, alle sind für die so genannte Vielfalt, mit der die traditionelle Familie überwunden werden soll, alle sind für sexuelle Frühaufklärung (ohne darüber aufzuklären, was den Kleinen damit schon früh zugemutet wird), alle sind für mehr Toleranz, für noch mehr Toleranz und für Akzeptanz. Alles ist alternativlos.

 

So soll auch die journalistische Landschaft sein. Dass jemand wie Ronja von Rönne es tatsächlich „gewagt“ hat, einen kritischen Artikel zum Feminismus zu schreiben, fanden die Vorsitzenden auf dem Podium empörend. Also wirklich! Das geht gar nicht. Und dann ist es auch noch eine Frau, die so einen „radikalen“ Text geschrieben hat. Eine Verräterin! Inzwischen hat sie nach einem Shitstorm mit heftigen Drohungen (sie wurde als rechtsradikal gebrandmarkt, man schrieb ihr, dass sie allein wegen dem „von“ im Namen „an die Laterne“ gehört) ihren Blog wieder eingestellt. Na also. Geschafft. Wieder ein Mensch, der sich duckt und schweigt.

 

3fünfvor

 

 

 

 

 

 

Der Titel ‚Wer will die Uhr zurückdrehen?’ soll irgendwie poetisch sein. Klar. Das darf man nicht wörtlich nehmen. Das weiß ich auch. Doch was ist gemeint? Was sind das für Leute, um die es geht? Kann man vielleicht so sagen: Es sind Leute, die etwas erhalten wollen? Etwas bewahren?

 

Hier zeigt sich wieder, wie schwer das Versäumnis wiegt, keine Inhalte zu nennen. Denn etwas erhalten zu wollen ist genauso wenig verwerflich wie motiviert zu sein. Es kommt ganz darauf an, wozu man motiviert ist und was man erhalten will. Sind denn nicht auch die Grünen – bei anderer Gelegenheit – dafür, etwas zu erhalten? Zum Beispiel den Regenwald. Das Sozialsystem. Den Rechtsstaat. Sind sie dann nicht auch Reaktionäre? Regenwald-Reaktionäre.

 

Wie ist es mit dem Klassenerhalt? Nie wieder zweite Liga! Ich bin jedenfalls dafür, die Unschuldsvermutung und die Pressefreiheit (sofern noch vorhanden) zu erhalten und die Muttersprache als Mittel zur Verständigung. Ich bin auch dafür, die Familien zu erhalten und weiß sehr wohl, dass ich mich damit bei der Veranstaltung lächerlich gemacht hätte.

 

 

Brutale Gewalt und schleichendes Unglück

 

Da hätten sie endlich einen gehabt, auf den man mit dem Finger zeigen könnte: Seht an! Da ist so einer, der will die Uhr zurückdrehen. Das will ich nicht. Dazu habe ich weder die Kraft noch die Motivation. Auch nicht die Naivität. Ich muss jedoch sagen, dass es mich betrübt, mit anzusehen, wie die Familien scheitern. Ich beobachte den fortschreitenden Verfall der Familien – auch den meiner eigenen – mit Bedauern und Mitgefühl, ich sehe dabei in erster Linie Verluste, die – um auch mal das Modewort zu benutzen – nachhaltig sind.

 

Mein Mitleid gilt besonders den Kindern. Ihnen wünsche ich, dass sie in einer Familie aufwachsen, in der alle zusammenhalten. Erinnert sich denn niemand mehr daran, dass man uns immer wieder aufgefordert hat, Verständnis für Straftäter zu haben, die keine richtige Eltern hatten, weil das Fehlen von liebevollen Eltern für ein Kind dermaßen schlimm ist, dass man später jedwedes Fehlverhalten entschuldigen muss?

 

Richtig. Auch wenn das Argument der schweren Kindheit gelegentlich als Ausrede benutzt und oft genug überstrapaziert wurde, es stimmt: der Verlust von einem Elternteil oder gar von beiden Eltern – auch der Entzug von Nähe bei Kleinkindern – ist das größtmögliche Unglück, dass sich Kinder vorstellen können. Das sollten wir nicht zu ihrer neuen Normalität machen.

 

Ich kann die Uhr nicht zurückdrehen. Ich kann sie auch nicht vordrehen. Wenn ich es trotzdem versuche und neugierig in die Zukunft blicke – denn so ist das poetische Bild gemeint –, dann sehe ich eine Zukunft für die Familie und nicht für die LGBTILer. Natürlich können sie mit allerlei politischer Unterstützung versuchen, Familienersatz zu schaffen, Kitas auszubauen, Homopaaren die Adoption erleichtern und Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung fördern. Es wird nichts nützen. Wir sind nicht allein auf der Welt.

 

Mit dem „Wir“, das ich nicht so oft und nicht so leichtfertig verwende, wie es die SPD tut, meine ich uns Deutsche. Insgesamt. Nicht nur die Grünen. Alle. Wenn wir als Gesamtheit der Deutschen keine Kinder mehr haben und sie nicht mehr in Familien aufwachsen lassen wollen, dann werden es eben andere tun. Andere, die genau das gerne tun wollen, was wir nicht mehr tun. Die werden dann, wenn es so weitergeht, die Mehrheit bilden.

 

Dass wir nicht allein sind, wissen wir nicht erst seit in letzter Zeit immer mehr nicht-Deutsche zu uns gekommen sind. Es sind längst schon welche da. Für sie steht die Familie an erster Stelle (neben der Religion), jedenfalls haben sie ein Weltbild, in dem der Wert der Familie hochgehalten wird und in dem Lesben, Transen und Feministen nur am Rande vorkommen. Wenn überhaupt.

 

Habe ich gerade die Homos vergessen? Nein. Die spielen durchaus eine Rolle im Weltbild der Migranten, der Zuwanderer, der Flüchtlinge, der Asylanten, der neuen Mitbürger mit Migrationshintergrund. Unter ihnen finden sich viele Nein-Sager, nicht bloß Nichts-Sager. Da finden sich viele, die eine starke Abneigung haben. Da finden sich viele, die genau das ans Licht bringen, was heute eilfertig als Hass bezeichnet wird.

 

Da gibt es Männer, denen Homosexualität zuwider ist. Sie widerspricht all ihren Werten: ihren Traditionen, ihren Kulturen, ihren Träumen, ihren Religionen, ihren Vorstellungen von Familie und von Sexualität. Sie müssen gar nicht erst zu einer schwulenfeindlichen Einstellung verführt werden – womöglich durch Schriften von Intellektuellen. Ihre Abscheu ist fest verwurzelt, sie reicht viel tiefer, als es bei einem so genannten Bio-Deutschen, der sowieso keinen Wert auf seine Wurzeln legt, jemals der Fall sein kann.

 

Nein, ich habe die Homos nicht vergessen. Kai Gehring hatte die Muslime vergessen, als er die Gegner der Buchstabenmenschen in Menschengruppen aufgeteilt hat. Er hat sie unterschlagen. Ich weiß nicht warum. Mir fällt kein guter Grund ein. Einige schlechte Gründe fallen mir sofort ein. Dabei ist er schon dicht dran gewesen, als er die „religiös Motivierten“ als eine Gruppe von Gegnern erkannt hat. Wen sah er da? Evangelikale Gruppen mit einem ungeklärten Verhältnis zur evangelischen Amtskirche und Ultrakatholiken – also Minderheiten ohne Macht und Einfluss und ohne Aggressionspotential. Wen sah er nicht?

 

Der Themenabend auf ‚arte’ unter dem Titel ‚Gleiche Liebe, falsche Liebe ?!? Homophobie in Europa’ schockte schon bei der Ankündigung mit einem Drama: Olivier und Winfred gehen Hand in Hand durch Paris und werden brutal zusammengeschlagen. Von wem? Von Intellektuellen? Von Ultrakatholiken? Wo in Paris sind sie langgegangen?

 

In einem überwiegend von Muslimen bewohntem Stadtteil. Da, wo – um im Bild zu bleiben – Lawinengefahr bestand. Zusammengeschlagen wurden sie von Taieb K. und Abdelmalik M. – die Familiennamen werden vorsichtshalber weggekürzt. Ich nehme an, dass die beiden inzwischen wegen schwerer Körperverletzung bestraft wurden und dass der Fall damit zu den Akten gelegt ist. Es wird jedoch, so ist zu fürchten, weitere Fälle dieser Art geben. Wie kann man damit umgehen? Wie kann der Abgrund, der da sichtbar geworden ist, überbrückt werden?

 

 

Hört auf zu buchstabieren, fangt an zu lesen

 

 

Womöglich gar nicht. Kann man überhaupt noch miteinander reden? Oder haben die Strategien der Dialogverweigerung und die Konstruktionen von Feindbildern zu einem Punkt geführt, an dem ein Gespräch nicht mehr möglich ist?

 

Stellen wir uns folgendes vor: Auf dem Podium sitzt Volker Beck neben einem muslimischen Familienvater, der schon lange in Deutschland lebt. Nennen wir ihn Yilmaz. Dem soll Volker Beck erklären, warum er dringend das Vater-Mutter-Kind-Modell in Frage stellen soll und warum sich Schwule, Lesben und Transen von der Heteronormativität, wie er sie verkörpert, unterdrückt fühlen und dass deshalb seine Kinder (die nebenbei bemerkt vom Schwimmunterricht befreit sind) sexuelle Frühaufklärung brauchen.

 

Herr Yilmaz könnte ihn nicht verstehen. Die Formulierungen, die Volker Beck benutzen würde, klängen für ihn hohl; für ihn wären es Begriffe, die nicht in dem Wörterbuch stehen, das er benutzt. Die Sprache von Volker Beck passt nicht zu seiner Lebenswirklichkeit.

 

Umgekehrt könnte Herr Yilmaz, obwohl er sehr gut Deutsch spricht, seine Vorstellungen auch nicht mitteilen. Er lebt in einer Familientradition, die er fortsetzen und nicht etwa aufbrechen will. Dafür braucht er keine Begründung. Die ist nicht notwendig. Deshalb fehlen ihm auch die passenden Ausdrücke. Für ihn ist seine Lebensweise etwas Selbstverständliches. Das Selbstverständliche braucht keine Rechtfertigung. Wenn er sagen würde, dass er seine Mutter und seine Familie liebt oder sich ihr verpflichtet fühlt, auch wenn sie ihn manchmal nervt, wäre das unpassend und irgendwie peinlich. Vermutlich würde er nichts dazu sagen.

 

Das muss er auch nicht. Es gibt keine spezielle Sprache dafür; man brauchte bisher auch keine. Familien gab es schon, als die Menschen noch nicht einmal so schlichte Sätze sagen konnten wie: „Ich Tarzan, du Jane“. Es ging auch so. Herr Yilmaz könnte sich auch nicht in gegenderter Sprache äußern, dann wäre er nämlich angehalten, bei jeder Gelegenheit das Trennende zu betonen; er würde aber vom Gemeinsamen sprechen wollen.

 

Die beiden kämen nicht auf einen Nenner. Hier offenbart sich ein Dilemma, das man vorhersehen konnte. Die Frage, die bisher im Hintergrund stand, drängelt sich nun in den Vordergrund: Was für Wähler wollen die Grünen? Welche Gruppe ist ihnen lieber? Die Gruppe der Migranten oder die der Schwulen und der Buchstabenmenschen?

 

Beides geht schlecht. Volker Beck ist, wie wir annehmen, nicht islamophob und Herr Yilmaz ist nicht wirklich homophob, man kann ihm auch die Übergriffe der Jugendlichen aus Paris nicht vorhalten, aber die Begriffe „Islamophobie“ und „Homophobie“ und die Verallgemeinerungen, die damit einhergehen, stehen wie kugelsichere Glasscheiben im Raum und trennen die beiden.

 

Selber schuld. Warum haben sich die Grünen auf solche pauschalen Kampfparolen eingelassen – Parolen, die sie nicht mehr unter eine Mütze kriegen? Nun zeigt sich, wie sehr die Projekte Multikulti und Toleranz bisher von Feindbildern genährt wurden – von Feindbildern, die man mit lauter Stimme herbeigerufen hat und nun nicht wieder loswird. Es ist schön bunt geworden im Land, doch die Farben beißen sich. Die Grünen buhlen um Wählergruppen, die sich untereinander nicht grün sind.

 

In den Homos, Lesben, Transen und Feministen sehen die Grünen womöglich ein neues revolutionäres Subjekt, zumindest neue Wähler. Doch solche Hoffnungen könnten sich verflüchtigen, wenn sich herausstellt, dass die Buchstabenmenschen viel zu stark mit sich selbst befasst sind und letztlich doch keine wirklich starke politische Kraft darstellen. Ich vermute, dass sich die Grünen im Zweifelsfall für Herrn Yilmaz entscheiden – ihm haben sie auch die Möglichkeit geschaffen, seine Familie nachziehen zu lassen.

 

Volker Beck sieht die Veranstaltung als großen Erfolg, er kommentierte schon flott: „Wir nehmen den Kampf gegen Hassplauderer & die Gegner der Gleichberechtigung auf. Den ‚Angry White Men’ brennt die Hütte”. Wen meint er damit? Warum freut er sich so über das Feuer? Was sind das für Töne –Hurra-Hurra-die-Hütte-brennt!? Warum ruft er nicht die Feuerwehr? Wessen Hütte brennt denn? Die von Herrn Yilmaz? Und wer sind die Hassplauderer? Diejenigen, die Ronja von Rölle zum Schweigen gebracht haben – oder wer?

 

Die Grünen sollten aufhören zu buchstabieren und anfangen zu lesen. Wenn die Herrschaften auf dem Podium die Bücher, die sie verteufeln, gelesen hätten, wären sie klüger. Hat denn ein Mitglied des Bundestages nicht die Möglichkeit, einen Mitarbeiter oder einen Praktikanten zu beauftragen, Texte durchzuarbeiten, Argumente herauszudestillieren und so übersichtlich aufzubereiten, dass ein Sprecher auf dem Podium in der Lage ist, wenigstens so zu tun, als wüsste er, wovon er redet?

 

Es ist alles da. Wenn ihnen etwa das neue Buch von Michel Houellebecq zu umfangreich sein sollte, dann genügt es, die Besprechung von Michael Klonovsky lesen. Die Probleme sind längst erkannt und beschrieben. Die Grünen müssten nur zugreifen. Sie müssten dazu allerdings ihre bockige Verweigerungshaltung aufgeben und sich der „Gruppe“ der Intellektuellen nicht länger verschließen.

 

Ich finde es armselig, von Büchern, die niemand lesen muss, die aber jeder lesen kann, der will, abzuraten und immer nur „Bäh!“ und „Igitt!“ zu schreien wie Kinder in der Trotzphase. Haben die Grünen außer Verbotsschildern und „Strategien gegen …“ nichts anzubieten? Dann will ich wenigstens eine Leseempfehlung geben – darf es etwas Erzählerisches sein? – und zwar: Harold Nebenzal: ‚Café Berlin’.

 

Das Buch führt uns in das Nachtleben der dreißiger Jahre unter den Bedingungen einer immer strenger werdenden Diktatur. Dabei geht es um die, wie man heute sagen würde, verschiedenen sexuellen Orientierungen unter besonderer Berücksichtigung der Transsexuellen.

 

Interessiert?