Ringo in der Regionalbahn

 

 

KleineZone

 

 

Heute können wir drüber lachen, weil wir inzwischen wissen, dass damals nichts passiert ist. Doch bei ihrem letzten Konzert 1966 in San Francisco mussten die Beatles um ihr Leben fürchten. Es gab ernst zu nehmende Hinweise auf geplante Anschläge. Zur Sicherheit ließ man eine leere Luxuslimousine mit getönten Scheiben am Konzertort vorfahren, während sich die Beatles selbst in einem unscheinbaren Auto versteckt hielten. Außerdem wurde extra ein Polizist abbestellt, der sich stets in der Nähe vom Schlagzeug aufhalten musste.

 

Ringo erinnert sich – wenn auch ungern –, er hatte sich die bange Frage gestellt, was dieser Polizist wohl täte, wenn auf ihn oder die anderen Beatles geschossen würde. Würde er aufspringen und die Kugeln wie ein Baseball-Spieler auffangen? Die verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen verschafftem ihm nicht etwa ein gutes Gefühl, sondern ein schlechtes. Sie stärkten nicht sein Sicherheitsgefühl, sondern sein Unwohlsein. Ringo ist nicht dumm. Ihm war klar, dass sein persönlicher Schutzmann, den er nicht wollte und auch nicht bestellt hatte, keinen Schutz bieten konnte. Er machte ihm nur deutlich, wie ernst die Bedrohung genommen wurde.

 

Die Beatles hatten nach kurzer Show – ohne Zugabe – geradezu fluchtartig das Stadium im Candlestick Park verlassen. Ihnen war klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Es sollte dann auch, wenn man vom Rooftop-Konzert für den Film ‚Let It Be’ absieht, ihr letzter öffentlicher Auftritt gewesen sein.

 

Man kann Ringo verstehen. Er hatte es mit einem besonderen Gefühl zu tun: Nennen wir es – so lange mir nichts Besseres einfällt – das Ringo-Feeling. Es ist das Gefühl, hilflos einer unheimlichen Gefahr ausgesetzt zu sein, vor der man einerseits eindringlich gewarnt wird, während einem andererseits deutlich gemacht wird, dass man davor nicht geschützt ist.

 

Coach

 

 

Dieses Feeling soll nun auch Frauen geboten werden, die auf der Strecke Leipzig-Chemnitz mit der Regionalbahn fahren. Aber nur in kleiner Dosis. Das Feeling ist im Fahrpreis inbegriffen. Die Mitteldeutsche Regionalbahn richtet spezielle Abteile für Frauen ein, die zu ihrer Sicherheit nicht weit vom Dienstabteil entfernt sind. Damit soll das Sicherheitsgefühl gestärkt werden. So heißt es. Doch es wird aller Voraussicht nach kein gutes Gefühl dabei entstehen, sondern ein schlechtes – wenn auch nicht so schlecht, wie einst bei Ringo. Die Frauen in der Regionalbahn werden sich nicht sicherer fühlen, sondern unsicherer. Denn so blöd sind weder Frauen noch Schlagzeuger. Sie wissen genau, dass ihnen im Notfall kein Schutz geboten wird. Doch so ein Notfall wird heraufbeschworen, er wird als durchaus wahrscheinliche Möglichkeit vorausgesetzt. Die Einrichtung dieser Abteile beweist es ja. Sonst hätte man nicht zu solchen Maßnahmen greifen müssen.

 

So werden Ängste geschürt. Das ist nicht gut; denn das Schüren von Ängsten ist etwas, das – wie es heißt – nur Rechtspopulisten tun. Und die sollten das nicht tun, sie sollten es bleiben lassen. Doch nun ist es passiert. Frauen wird Angst gemacht. Und dann werden sie mit ihren Ängsten allein gelassen. Es liegen keine Broschüren aus, in denen in mehreren Sprachen die Risiken und Nebenwirkungen beschrieben und Verhaltensmaßregeln für die richtige Nutzung der Abteile gegeben werden.

 

Was nun? Was sollen die Frauen tun, wenn plötzlich ein privilegierter, älterer, weißer Mann auftaucht, für den Alltagssexismus bekanntlich ganz normal ist? Was sollen sie tun, wenn er anfängt, einen Herrenwitz zu erzählen? Sollen sie ihn aus dem Abteil verweisen, bevor er zur Pointe vordringt? Notfalls mit Gewalt? Sollen sie die Notbremse ziehen? Und wenn ein Mann kommt, der eine andere Sprache spricht und ein ganz anderes Frauenbild hat als der allseits gefürchtete privilegierte, ältere, weiße Mann – was dann? Wenn es ein Mann ist, der offensichtlich aus einem anderen Kulturkreis kommt, der nicht alt, nicht weiß und nicht privilegiert ist. Ist die Gefahr dann größer? Oder nicht so groß? Ist so eine Frage überhaupt noch zulässig? Oder gilt sie als rassistisch? Nächste Frage: Ist es zulässig, nachzufragen, ob so eine Frage zulässig ist? Es ist heikel. Denn wir sollen nicht verallgemeinern und pauschal beschuldigen, wir wollen aber auch die Ängste der Frauen nicht banalisieren. Also, wie ist es? Wie groß ist die Gefahr? Von wem geht sie aus?

 

Coach

 

 

Bei den Beatles war die Gefährdung konkret. Sie richtet sich nicht gegen Popgruppen im allgemeinen, sondern speziell gegen John Lennon. Man wusste auch, wodurch sie ausgelöst worden war und von wem sie ausging. Der Ku Klux Klan und andere religiöse Gruppen hatten nach der Bemerkung, dass die Beatles populärer seien als Jesus, Rache-Aktionen angekündigt, LPs verbrannt und Beatles-Puppen gekreuzigt. Bei dem Konzert in Memphis wurden Knallkörper auf die Bühne geworfen. Auf ihren Hubschrauber wurden geschossen. Wie wir heute wissen, haben die Beatles überlebt. Dass John Lennon später von einem verrückten Einzeltäter erschossen wurde, konnte keiner verhindern und hatte mit dem damaligen Aufruhr nichts zu tun. Vielleicht war die Gefahr 1966 gar nicht so groß gewesen, wie alle dachten. Vielleicht waren es nur hoch gekochte Gerüchte, von denen sie verrückt gemacht wurden. Vielleicht war es sogar eine makabere Kampagne gewesen, um den Kartenverkauf anzukurbeln.

 

Feministen sehen sich nicht mehr als Opfer, sondern als Überlebende. Sie haben es bisher geschafft, die „rape-culture“, in der sie heute leben müssen, zu überleben, allerdings nicht ohne schwere Schäden zu erleiden. Wehe, es wagt jemand zu behaupten, sie würden heillos übertreiben und das ganze Gekreische und Gejaule wäre nur eine makabere Kampagne, um die Gleichstellungspolitik zu rechtfertigen und neue Straftatbestände für Männer zu schaffen. Wehe, es wagt jemand, zu behaupten, dass Schutzräume „nur für Frauen“ in unseren Breitengraden zu Friedenszeiten ebenso überflüssig sind wie Trigger-Warnungen, die sie davor schützen, ihre traumatischen Erfahrungen noch einmal durchleben zu müssen.

 

Wir kennen das. Wir haben uns längst an Frauenparkplätze und andere Hysterie-Aufladestationen gewöhnt wie etwa an Bibliotheken, die nur Frauen nutzen dürfen. Die Grünen führen sicherheitshalber „frauenöffentliche“, politische Veranstaltungen durch – Veranstaltungen also, bei denen Männer ausgesperrt werden. Es wird etwas sensibler ausgedrückt; denn natürlich sind solche Veranstaltungen „öffentlich“, da kann grundsätzlich jeder hin, aber sie sind „frauenöffentlich“, es kann also doch nicht jeder hin, nur Frauen. Sonst können sie nicht ungestört Politik für alle machen.

 

Wenn man zum Arzt geht, sollte man zwei Fragen beantworten können: Wo genau tut es weh? Seit wann sind die Beschwerden aufgetreten? So hat der Arzt eine gewisse Chance, dem Leiden auf die Spur zu kommen und ein Gegenmittel zu finden. Sonst nicht. Sonst kann er nicht helfen. In unserem Fall können die Fragen nicht beantwortet werden. Damit haben wir schon den Sinn der Sache verstanden: Es soll überhaupt nicht geholfen werden. Es wird keine Linderung angestrebt. Es soll nur gegen Männer gehetzt werden.

 

Coach

 

 

Man könnte sich ja ernsthaft Gedanken zum Thema machen. Haben wir etwa nur auf der Strecke Leipzig-Chemnitz ein Problem? Auf allen anderen Strecken nicht? Das wäre sehr unwahrscheinlich. Es ist auch nicht so. Soeben wird gemeldet, dass auf der Strecke Osnabrück-Cloppenburg eine 22jährige Frau, die in der Nordostbahn eingeschlafen war, gegen 21 Uhr von einem Fremden flüchtig geküsst wurde. Es sieht also ganz danach aus, als hätten wir auf der Leipzig-Chemnitz-Strecke genauso wenige – oder eben auch genauso viele – Problemfälle wie auf allen anderen Strecken auch. Was nun? Müssen nun überall solche Abteile eingerichtet werden? Wir wissen, wann die erste Regionalbahn gefahren ist. Das war 1835. Sie fuhr nicht von Leipzig nach Chemnitz, sondern von Nürnberg nach Fürth. Aber ab wann haben sich da die Übergriffe gegen Frauen so gehäuft, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen? Wie bitte? Die haben sich gar nicht gehäuft? Soll das heißen, dass die Maßnahmen überflüssig sind? Sollte man dann nicht erst einmal eine gut bezahlte Studie nachschieben, die beweist wie gefährlich das Leben für Frauen heute ist? Irgendwas mit Statistiken, die keiner liest.

 

Natürlich sollte man etwas gegen echte Bedrohungen tun. Aber was? Wie? Wo? Wäre es vielleicht eine Überlegung wert, auf manchen Strecken zu bestimmten Zeiten (etwa nachts in der S-Bahn in Berlin), Security mitfahren zu lassen? Das wäre zwar aufwendig, aber so könnte man eventuell helfen. Doch wenn die Bedrohung nicht lokalisierbar ist, kann man nichts machen. Wenn die Bedrohung als allumfassend dargestellt wird und gleichzeitig nur punktuell Schutz angeboten wird, ist es so, als hätte man den Leuten eingeredet, dass jederzeit überall Kometen abstürzen können und dass deshalb zur Sicherheit an zwei Orten in Deutschland Unterstellmöglichkeiten eingerichtet werden. Eine in Chemnitz. Eine in Leipzig. Dann sollen sie doch kommen, die Kometen.

 

Die Sicherheitsmaßnahmen tarnen sich als Service, doch sie sind hinterhältig und bösartig. Sie führen dazu, dass Männer pauschal als Gefahr für Frauen hingestellt werden. Alle Männer. Leider auch der Schaffner, der sein Abteil ganz in der Nähe hat. Wenn der nämlich auch ein Mann ist, wer sagt denn, dass er nicht Teil der Bedrohung ist? Ringo hatte damals eine böse Ahnung. Er fürchtete, dass sein Polizist ihn, wenn er angeschossen am Boden läge, nicht etwa retten, sondern um ein letztes Autogramm bitten würde. Auch der Polizist war Teil des Wahnsinns, der damals um die Beatles tobte.

 

Der Wahnsinn liegt in unserem Fall nicht darin, dass alle Männer im Raum Leipzig plötzlich irre geworden sind und wahllos über Frauen herfallen, der Wahnsinn liegt bei einer infamen Frauenpolitik, die alle Männer abstrafen will, als würden sie jedem Mann in einer imaginären Kartei in Flensburg zwei Punkte verpassen. Grundsätzlich. Weil er ein Mann ist. Wenn sich dieser Mann dann etwas zu Schulden kommen lässt, was nur einen Punkt bringen würde – schon ist der Führerschein weg. Männer werden durch solche Maßnahmen behandelt, als wären sie vorbestraft. Sie sind auf Bewährung und stehen unter verschärfter Beobachtung. Das ist der Sinn der Sache.

 

Coach

 

 

In so einer Stimmung kann Heiko Maas Gesetze und Verbote durchsetzen, die das Klima noch weiter vergiften. Passend dazu gibt es als schrille Begleitmusik den Hashtag #imzugpassiert. Da wird das Verhalten von Männern im Nahverkehr als skandalös hingestellt. Als Zumutung für Frauen. Das muss man sich mal vorstellen: In Deutschland werden tatsächlich Frauen in der Regionalbahn angestarrt, beobachtet und vielleicht sogar berührt. Da liegt Vergewaltigung in der Luft. Die Zustände schreien zum Himmel. Und wenn die Zustände selber nicht schreien, dann tun es die Frauen. Deutsche Denunziantinnen muss man nicht lange bitten: Achtung, fertig, Aufschrei. Schon sind die Giftspritzen zur Stelle, schon sprudeln die kleinen, anonymen Beschuldigungen nur so hervor und tun so, als könnten sie ein Gesamtbild zeichnen. Doch ein Hashtag ist nur ein Mückenschwarm, der sich einbildet, er wäre nahrhaft wie ein kleines Steak. Ein Hashtag ist ein Sturm aus Scheiße; der sich aufspielt, als hätte er Beweiskraft und irgendeinen Aussagewert. Dabei wird nur das Lied der Klamaukgruppe mit dem bezeichnenden Namen Erste Allgemeine Verunsicherung angestimmt: „Das Böse ist immer und überall!“

 

Was passiert denn nun im Zug? Ein Mann schieb vorsichtig die Tür zu dem Sonderabteil auf, in dem zwei Frauen sitzen. „Sind die Plätze noch frei ?Darf ich … ?“, fragt er höflich und rechnet im Stillen damit, dass ihn die Frauen wie in guten, alten Zeiten anschwindeln und behaupten, sie wären besetzt, auch wenn sie es gar nicht sind. Heute kommt es noch schlimmer.

 

„Können Sie nicht lesen?!“, sagt eine der Frauen und deutet auf das Zeichen „Männerfreie Zone“, mit dem das Abteil gekennzeichnet ist.

„Die anderen Abteile sind leider alle voll“, versucht es der Mann.

„Wenn eine Regel nicht konsequent befolgt wird, braucht man sie gar nicht erst einzuführen“, erklärt ihm die andere Frau. „Nun ist die Regel eingeführt.“

„In den anderen Abteilen sitzen aber, so viel ich sehe, überall Frauen und Männer friedlich nebeneinander …“

„Hier nicht!“

„Ich habe einen Behindertenausweis. Allerdings nur vierzig Prozent.“

Die Frauen schütteln energisch ihre Köpfe.

„Ich habe noch nie einer Frau …“

„Das kann alles noch kommen“, unterbricht ihn eine der Frauen und die andere ergänzt: „Selbst in Ihrem Alter, hi, hi, hi.“

„Ich will meine kranke Mutter besuchen …“, versucht er es weiter.

Doch die Frauen unterbrechen ihn sofort. Sie seien schließlich in Deutschland. Ob er nicht wüsste, wie hier Frauen in Angst und Schrecken leben müssen.

Er versucht es mit einem letzten verzweifelten Argument: „Ich habe Migrationshintergrund.“

Doch die Frauen zeigen sich entschlossen: „Männer raus!“ skandieren sie. Als er die Glastür zuschiebt und sich zurückzieht rufen sie ihm noch hinterher: „Überprüfen Sie Ihre Privilegien!“ Eine der Frauen kann auch ein bisschen englisch, schließlich leben sie in einer weltoffenen Gegend: „Scheck juhr Priwilätsches!“

 

Dabei ist es doch so einfach. Man stellt einfach ein Schild auf, dass Monster keinen Zugang haben und schon bleiben die Monster weg:

 

Monsterneu

 

Woher kommt der Dampf?

 

Über den Hass und die Hassenden.

Über Sprache, Sprachspiele und hate speech.

 

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Wir stehen vor großen Veränderungen. Unsere Sprache steht vor einer schweren Operation. Ich fürchte … nein, ich bin mir sicher, dass sie nicht gut ausgehen wird. Die Sprache wird danach hässlich und missgestaltet sein – wie nach einer missglückten Operation.

 

Man kann sich kaum vorstellen, dass so eine Operation überhaupt möglich ist, sie wird aber ernsthaft angestrebt. Es soll eine Art Geschlechtsumwandlung der Sprache stattfinden. Das ist etwas Neues, bisher nie Dagewesenes.

 

Bisher haben sich Veränderungen in der Sprache hauptsächlich auf den Wortschatz beschränkt. Modeworte kamen und gingen; die Bewertung bestimmter Begriffe änderte sich. So weit, so gut. Doch nun soll in die Struktur eingegriffen werden, in die Grammatik, in das Regelwerk. Das geht zu weit, das ist nicht gut.

 

Es wird verordnet. Die Gleichstellungspolitik hat es vorgemacht. Sie wurde bekanntlich, so wird es immer gesagt, als Querschnittsaufgabe – Achtung: nun kommt das verräterische Wort ­– „implantiert“. Nun soll auch die Sprache ein Implantat kriegen: die Innen-Form. Damit sie „geschlechtergerecht“ wird. So heißt es. In Wirklichkeit wird damit der Sexismus in den Sprachkörper eingesetzt wie bei einer Organtransplantation.

 

Das Ansinnen ist nicht neu. Mit der Innen-Form müssen wir uns schon seit mehr als dreißig Jahren herumquälen. Neu ist, dass die Vorschläge als Vorschriften auftreten. Ich hatte das lange für eine Modetorheit gehalten. Inzwischen habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass sich der Krampf von alleine legt und der Spuk wieder verschwindet. Es ist schlimmer geworden. Hinter den Handreichungen und Ratschlägen stecken offene Drohungen gegen alle, die sich nicht beugen wollen. Es ist schon soweit, dass es als Vorwurf gilt, wenn jemand „bewusst nicht gendert“.

 

Kirchen, Gewerkschaften, Rundfunkanstalten, Parteien, Universitäten, Gemeinden – ja, man hat den Eindruck, dass jeder Alpen- und Tierschutzverein mitmacht – sie alle geben neue Anleitungen heraus, wie man „gendern“ soll, wie eine „geschlechtergerechte Sprache“ im Alltag umgesetzt werden kann.

 

Da erfährt man, wie man mit dem beweglichen Unterstrich, mit dem steil aufragenden Binnen-I, mit Doppelnennungen und mit dem hoch gestellten Sternchen umgehen soll, um nicht als rechtspopulistisch erkannt und verdammt zu werden. In Baden-Württemberg sollen die Vorgaben sogar in den Bildungsplan einfließen. Damit soll ein von Hass vergiftetes Sexismus-Modul fest in die Sprache implantiert werden. Was dann dabei herauskommt, soll künftig als neue Hochsprache gelehrt werden. Die Schwaben meinen es offenbar ernst mit ihrem Slogan: „Wir können alles, außer Hochdeutsch“.

 

Warum das? Ist es nötig? Ist es wichtig? Was steckt dahinter?

 

Bezeichnungen wie „die Studenten“, „die Wähler“ oder „die Schriftsteller“ werden von denen, die so eine Umgestaltung einfordern, (fälschlicherweise) als rein männlich angesehen, sie streiten den bisher gebräuchlichen Pluralbildungen grundsätzlich die Möglichkeit ab, übergeschlechtliche Bedeutung anzunehmen und erschaffen durch ihre hartnäckige und durchaus böswillige Fehlinterpretation ein Problem, das sie nun irgendwie lösen müssen (aber nicht können – um das vorwegzunehmen. Sie werden bei jeder Pluralbildung Schwierigkeiten haben. Für Gemeinsamkeiten wird es keinen Ausdruck mehr geben. Gemeinsamkeiten werden abgeschafft).

 

Aber warum? Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Eine bloße Mode wird es nicht sein – selbst wenn es so wäre: Dann wäre so eine Mode erklärungsbedürftig. Glaubt denn wirklich jemand, dass damit Frauen oder verkannten Transsexuellen ein Gefallen getan und ihre Situation spürbar verbessert wird? Hand aufs Herz – weiter links –, also: Wer glaubt das? Keiner? Eine. Gesine Agena von den Grünen. Dachte ich’s doch. Sonst noch jemand?

 

Was also steckt dahinter?

 

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Am Anfang der Misere stand die Misandrie – auf deutsch gesagt: Die Triebkraft dahinter ist ein tief sitzender Männerhass. Wir mögen diesen Hass nicht zur Kenntnis nehmen. Auf keinen Fall: Wir gucken nicht hin, hören nicht zu, lesen nicht nach. Dennoch. Es gibt ihn – und es ist dieser tief sitzender Hass, der die Fehlinterpretation hervorgebracht hat, dass wir es mit einer „männlich dominierten“ Sprache zu tun haben.

 

Seit sich der Hass flächendeckend ausgebreitet hat, gelten alle bisher unverdächtigen Begriffe, die jedoch neuerdings als „männlich“ angesehen werden, als kontaminiert und müssen ausgemerzt werden. Ihnen soll kein weiteres Bleiberecht in der politisch korrekten Sprache zugebilligt werden.

 

Eine männliche Form irgendwo zu identifizieren, heißt bereits, sie zum Abschuss frei zu geben. Keinesfalls sagt man: „Na gut, dann ist es eben eine männliche Form, das soll es geben; männliche Formen gehören dazu“. So könnte man ja denken – gerade wenn man es mit der geforderten Gleichbehandlung ernst meint. Mit Gerechtigkeit. Mit Sensibilität. Aber nein. Männliche Formen soll es nicht geben. Nicht mehr. Die müssen weg. Dringend.

 

Alles, was auch nur entfernt nach „Männern“ aussieht, soll ausgemistet werden. Daher müssen aus „Feuerwehrmännern“ unbedingt „Feuerwehrleute“ gemacht werden, als wäre es bereits ein Unrecht, Männer überhaupt zu erwähnen. Es spricht ja nichts gegen die Feuerwehrmänner an sich – nur dass es eben Männer sind.

 

Die männliche Form wird „voldemortisiert“, wie ich es in Anlehnung an den Gegenspieler von Harry Potter nenne – den gefürchteten Lord Voldemort, der die Verkörperung des namenlos Bösen darstellt und der derartig böse ist, dass man nicht mal seinen Namen nennen darf. Er ist „Du weißt schon wer“.

 

Es wird ganz offen von „toxischer Männlichkeit“ gesprochen. Der von Frauen gefürchtete „Männersprech“ gilt als zutiefst „inhuman“. Deshalb kommt es zu solchen Umbenennungen, wie sie der Verband der Schriftsteller jüngst vorgenommen hat, der sich in Verband der „Schreibenden“ umbenannt hat. Das muss sein.

 

Deshalb kommt es dazu, dass aus dem Studentenheim ein „Studierendenheim“ werden muss. Auch das muss sein. Diese Maßnahmen gehören zu einem groß angelegten Entgiftungs-Programm zum Nutzen der feministischen Volkshygiene. Da mitzumachen bedeutet anzuerkennen, dass Männlichkeit in allen seinen Erscheinungsformen schädlich ist und überwunden werden muss.

 

„Fußgänger“

Weg mit ihm! Der Fußgänger ist männlich. Ein „Gänger“ ist offensichtlich männlich, womöglich ist damit ein „Wiedergänger“ – auch „Widergänger“ geschrieben – gemeint, ein Untoter also, ein Zombie, eine Schreckensgestalt. Das kann nicht länger geduldet werden. Es muss „zu Fuß Gehende“ heißen. Das ist Vorschrift.

 

„Schneemann“

Oh, nein! Mustert sie aus, die bösen, patriarchalischen Begriffe, da kommt ja schon dieses scheußlich „-mann“ vor! Damit werden Frauen unsichtbar gemacht. Damit soll gesagt werden, dass Frauen nicht genauso durch und durch aus Schnee sein können wie Männer. Das ist Diskriminierung. Es muss „Schneeperson“ heißen.

 

„Teilnehmer“, „Mitarbeiter“

Hilfe! Bitte demnächst eine Trigger-Warnung, damit in Zukunft keine zartfühlende Frau mehr dem Überangebot von Männlichkeit hilflos ausgeliefert wird. Die männerdominierte Welt ersäuft ja förmlich in Testosteron. „Mitarbeitende“, „Teilnehmende“, muss es heißen. Da merkt man die Männlichkeit nicht so doll.

 

„Autofahrer“

Oh, nein. Ich kriege Atemnot. Wo geht es hier zum nächsten Schutzraum? Frauen sind die besseren Autofahrerinnen und Autofahrer, das ist statistisch erwiesen. Ich dachte sogar eine Schrecksekunde lang, da hätte jemand „Autobahn“ gesagt.

 

„Gäste“

Ich halte es nicht mehr aus. Ich kozze ab mit zwei Zett.

 

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So leiden sie. Und wenn Frauen leiden, nehmen Männer reflexartig Rücksicht: Bitte sehr, gern geschehen. Sie wollen keinesfalls, dass ihnen mit der furchtbaren Männersprache, die früher verharmlosend „Muttersprache“ genannt wurde, Gewalt angetan wird, und so ersetzen sie bereitwillig und wohl auch ein bisschen verschämt das böse Wort „Schriftsteller“ oder das böse Wort „Student“.

 

Wie macht man das? Entweder durch die Doppelnennung „Schriftstellerinnen und Schriftsteller“ oder „Studentinnen und Studenten“ (wirklich ersetzt wird das Gift damit nicht, aber die männliche Form wird zwangsweise verpartnert und die schädliche Auswirkung wird dadurch eingehegt und etwas abgemildert) oder eben durch die (vermeintlich) neutrale Form „Schreibender“ oder „Studierender“. Beides ist falsch und hat riesige Nebenwirkungen. Das ist den Sprachsexisten aber scheißegal. Entschuldigen Sie bitte die Ausdrucksweise. Es ist sonst nicht meine Art.

 

Nun denken Sie – liebe Leser – womöglich, ich hätte bei den vorhin beschriebenen Reaktionen ein wenig übertrieben und den Hass und die Dummdreistigkeit, mit der er sich zu erkennen gibt, zu dick aufgetragen. Dann wissen Sie nicht, wie sich Senta Trömel-Plötz zu dem Thema äußert, sie schreibt über ‚Gewalt durch Sprache’, so der Titel ihres Buches und berichtet darin, ‚Wie Frauen in Gesprächen vergewaltigt werden’, so der Untertitel.

 

Noch mal langsam: Männer „vergewaltigen“ Frauen durch „Gespräche“. So lautet der Vorwurf. Michael Gwosdz, der Vize der Hamburger Grünen, der nach den Vorfällen in Köln mit der Bemerkung auftrumpfte, „Als Mann weiß ich, jeder noch so gut erzogene und tolerante Mann ist ein potenzieller Vergewaltiger. Auch ich“, sollte unter diesen Umständen am besten gar nichts mehr sagen. In seinem Fall wäre das auch angebracht.

 

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Senta Trömel-Plötz kann späte Triumphe feiern: Ihre Forderungen fließen nun – wenn auch mit gewisser Verspätung – in die Politik ein und werden zu Vorschriften für alle Duckmäuser, die sich nicht schon allein durch ihren Sprachgebrauch als Gegner des Gender-Mainstreamings zu erkennen geben wollen. „Frauen kommen langsam, aber gewaltig“, hieß es in einem Lied von Ina Deter, falls sich noch jemand erinnert. So sieht es aus. Frau Senta Trömel-Plötz klagte schon in den siebziger Jahren, dass Frauen unter der Männersprache zu leiden hätten. Nun wird endlich etwas dagegen gemacht.

 

Ich wiederum meine, dass unsere Muttersprache unter Frauen wie Senta Trömel-Plötz zu leiden hat. Sie kennen Senta Trömel-Plötz nicht? Sie zählt neben Luise F. Pusch zu den führenden Theoretikerinnen der feministischen Linguistik, ihre Vorgaben werden nun besinnungslos nachgebabbelt. Ihre Bücher sind „Bestsellerinnen“, wie sie selber scherzhaft sagen; denn die beiden haben nicht nur ein besonderes Verhältnis zu Vergewaltigungen (dazu sage ich lieber nichts), sie haben auch einen speziellen Humor (dazu könnte ich was sagen, tue es aber nicht).

 

Dennoch. Die Schriften dieser beiden Vordenkerinnen sind weitgehend unbekannt. Viele denken womöglich, die Namen Senta Trömel-Plötz und Luise F. Pusch kämen in einem der beliebten Sketche von Loriot vor, die jeder kennt und jeder mag. Aber nein. Sie kommen vielmehr in ungeliebten Propaganda-Texten vor, die kaum jemand kennt. Die so genannten Bestsellerinnen sind gar nicht so weit verbreitet, wie man das von Bestsellern erwartet. Das macht nichts. Die Anhängerinnen der geschlechtergerechten Sprache folgen ihren Vordenkerinnen blind und blöd. Sie sind wie Gefolgsleute des Kommunismus, die so tun, als wären sie hundertprozentig überzeugt, aber noch nie was von Marx und Engels gehört haben.

 

So sind sie, die besinnungslosen Anhängerinnen, Nachbeterinnen und Dummschwätzerinnen. Sie sind nicht informiert. Sie sind nicht neugierig. Sie wissen alles. Sie kennen die Welt: Ihre Welt ist streng in zwei übersichtliche Lager geteilt: weiblich/männlich, gut/böse. Das reicht ihnen als Weltanschauung. Schließlich gehören sie zu den Guten. Das wollen sie möglichst in jedem Satz zum Ausdruck bringen.

 

Sie sind bigotte Frömmler. Sie sind wie Leute, denen es beim Beten einzig darum geht, dass alle sehen, dass sie brav die Hände gefaltet haben. Viele von denen, die treudoof … Ja, ich schreibe das mit voller Absicht und wiederhole es noch einmal für die, die ich meine und nicht nur mitmeine, also: Viele von denen, die treudoof den sprachfeministischen Vorgaben folgen und vor lauter Begeisterung über ihre Kriecherei im Brustton der Überzeugung verkünden, dass sie mit den Sprachvorschriften „keine Probleme“ hätten, würden womöglich welche bekommen, wenn sie einen flüchtigen Blick in eines der Bücher werfen und nachlesen, wie hasserfüllt da die Zersetzung der Sprache begründet wird. Wer nach Sätzen sucht, die für totalitäres Denken typisch sind – da werden Sie geholfen.

 

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Luise F. Pusch empfiehlt, Jungs, die sich in der Schule nicht dem Sprachfeminismus beugen wollen, zu schlagen (das schade ihnen nicht, meint sie); grundsätzlich tue es Männern gut, wenn sie leiden müssen. Schließlich haben Männer – und zwar grundsätzlich alle! – Schrecken und Elend verbreitet. Deshalb sollen nun auch die Jungen in Sippenhaft genommen werden und büßen … Zwischenfrage: Sollen sie etwa wegen der vielen Vergewaltigungen durch Sprache büßen? Klar. Doch das ist nicht alles. Luise F. Pusch spricht von einem „Gynozid“.

 

Wer es nicht auf Anhieb verstanden hat, hier noch mal in Zeitlupe: Gy-no-zid! Es ist ein Wortspiel. Es ist zusammengesetzt aus den Bestandteilen „Genozid“ und „Gynäkologie“ und soll verdeutlichen, wie sehr Frauen unter der „Männersprache“ zu leiden haben. Es ist einfach unfassbar. Mit Worten kann man das nicht beschrieben. So schlimm ist das. Es sprengt unser Vorstellungsvermögen. Womöglich ist Luise F. Pusch von ihrer Heldin Mary Daly inspiriert, die ebenfalls gerne Wortspiele machte – wie das, in dem aus dem ahnungslosen Therapeuten (therapist) der Vergewaltiger (the rapist) wird. Mary Daly wurde mit ihrem Buch mit dem bemerkenswerten Schrägstrich-Titel ‚Gyn/ökologie’ berühmt.

 

Solche Geschmacklosigkeiten sind keine Ausrutscher. Sie sind das besondere Kennzeichen des Feminismus. Sie sind das Alleinstellungsmerkmal. Sie sind nicht vom Feminismus zu trennen. Sie sind auch nicht zu übersehen, selbst wenn sich viele angestrengt darüber hinwegtäuschen wollen. Es gibt immer noch Zeitgenossen, die sich freudig dazu bekennen, Feministen zu sein, Radikalfeministen sogar – so genannte Radfems –, doch wenn man sie fragt, was sie von Kate Millet, Mary Daly, Germaine Greer, Shulamith Firestone, Valeri Solanas, Andrea Dworkin, Sally Miller Gearhart und anderen Klassikern des Feminismus halten und wie sie zu den Vernichtungsfantasien stehen, die sich da offenbaren, dann … äh, ja … dann tun sie so, als würden deren Schriften und Forderungen (falls sie ihnen überhaupt bekannt sind) irgendwie nicht gelten und sie gucken einen an, als würde sie die Frage, ob sie schon mal auf den Gedanken gekommen sind, dass ‚Mein Kampf’ irgendwas mit Faschismus zu tun haben könnte, intellektuell überfordern.

 

Sage keiner: „Das war einmal!“ Sage keiner, dass es heute besser ist. Die Newcomer sind nicht besser als die Oldtimer. Sie sind schlimmer. Jedenfalls peinlicher. Da malen sich junge Frauen Hakenkreuze auf die nackten Brüste oder den Spruch „Thanks Bomber Harris“. Sie tuschen sich ein neckisches Bärtchen unter das Näschen und stellen sich breitbeinig vor das Barbie-Haus oder vor die Herbertstraße und rufen „Arbeit macht frei!“ Sie setzen den Hashtag #killallmen in die Welt und die Femithestin (so nennt sie sich wirklich) greift die Forderung, das männliche Geschlecht auf zehn Prozent zu reduzieren, zum soundsovielten Male neu auf. So sieht er heute aus – der real existierende Feminismus, wie er gehätschelt und getätschelt wird.

 

Nicht zu vergessen: die Femen – sind sie nicht entzückend?! Sie posieren barbusig mit einem abgeschnittenen Hodensack in der ausgestreckten Hand und mit einer blutigen Sichel in der anderen und erklären, dass das Blut (und zwar das der Männer) fließen wird. Noch Fragen?

 

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Die Vorschriften zur „geschlechtergerechten“ Sprache, wie sie scheinheilig genannt wird, kommen direkt aus der Hexen-Küche des radikalen Feminismus, aus dem Herz der Finsternis, dem Zentrum des Bösen. Da wurde schon seit Jahrzehnten gezündelt, um die „Entseuchung der Erde“ durch Reduktion der männlichen Population vorzubereiten und den Weg dahin durch Sprachmanipulation zu ebnen.

 

Die Hass-Sprache der Radfems soll nun die neue Hochsprache werden. Der Feminismus hat immer noch viele Anhänger. Aber das sind, wie der Name schon sagt, lediglich Anhänger. Die müssen wir nicht befragen. Die wissen nichts. Ausschlaggebend sind die Lokomotiven. Das sind Kräfte wie Daly, Pusch und Trömel-Plötz. Sie sind die Dampfloks des Feminismus. Sie stehen voll unter Dampf. Voll unter Druck. Denn es muss eine Energie geben, die das ganze in Bewegung bringt, die das ganze pusht. Das ist der Hass. Nun sollen wir alle mit der Pusch-Pusch-Eisenbahn fahren (um auch mal ein kleines Wortspiel zu machen).

 

Luise F. Pusch hat keine Hemmungen, Männer zu verdammen. Die Nazi-Keule ermöglicht ihr den großen Rundumschlag (Achtung: Es folgt ein Zitat, in dem drei „die“ hintereinander kommen, was irgendwie musikalisch, aber auch wie Gestammel wirkt): „Männer, die sich angesichts der Verbrechen ihrer Geschlechtsgenossen nicht schämen, gehören in dieselbe Sparte wie die, die die Verbrechen der Nazis leugnen.“

 

Also: Nazis raus aus der Sprache, damit wenigstens da keine Verweise mehr auf irgendetwas Männliches verbleiben. Dabei ist Luise F. Pusch noch vergleichsweise nett; sie ist so etwas wie die Provinz-Ausgabe von Mary Daly, die sich das Ziel gesetzt hat, eine Sprache für Frauen zu entwickeln, die Frauen „hymnisch“ feiert und frei von „Patriarchalismen“ ist. Sie steht ganz offen zu ihrem bodenlosen Hass. Mary Daly verabscheut allein schon das Wort „Mann“, wie sie selber sagt, aufs „Äußerste“.

 

Alles klar?

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Mary Daly posiert mit ihrem Markenzeichen: der Doppelaxt

 

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Femen mit abgeschnittenem Hodensack und blutiger Sichel

 

„Wozu sind Männer gut? (…) Wir Frauen wissen nicht so genau, warum die Männer da sind. Ehrlich gesagt, haben wir uns die Frage wohl auch kaum je gestellt. Sie sind halt da, und das ist schlimm genug. Wir fragen uns wohl, wie wir ihnen am besten entkommen und sie überleben können, aber nicht, wozu sie eigentlich gut sind.“

Luise F. Pusch

 

Also muss alles mit „-mann“ weg, selbst das unschuldige, klein geschriebene „man“ mit kleinem n. Die evangelische Kirche in Deutschland EKD befasst sich in ihren Handreichungen für eine „geschlechtergerechte Sprache“ ebenfalls mit diesem „man“. Zunächst erklärt die EKD in ihrer Broschüre, dass dieses „man“ womöglich von „mana“ kommt, was „die Mutter aller“ heißt, da es aber identisch klingt wie „Mann“, wird es leicht verwechselt.

 

Da zucken die evangelischen Frauen zusammen. Da hat doch tatsächlich jemand „Mann“ gesagt. Furchtbar! Da stellt sich die Frage: Kann man evangelischen Frauen so etwas zumuten? Nein. Nicht in der Kirche. Da sollen sich die Frauen wohl fühlen. Diesen bescheidenen Wunsch kann man ihnen leicht erfüllen, so raunen es jedenfalls die evangelischen Frauenflüsterer, man muss nur dieses bedrohliche „man“ durch eine Umschreibungen im Passiv ersetzen (Ah … jetzt habe ich nicht aufgepasst und das Schreckenswort selber benutzt).

 

Was ist los? Die evangelische Kirche schlägt ernsthaft vor, das Wort „man“ nicht mehr zu benutzen. Ich fasse es nicht. Aber so ist es. Wegen Verwechslungsgefahr. Ich denke mir das nicht aus. Warum macht der evangelische Wächterrat einen verzeihlichen Irrtum (die Verwechslung von „Mann“ und „man“) zum neuen Gebot, nach dem man sich richten soll?

 

Sie arbeiten mit den Tricks von Betrügern. Sie lenken ab. Die EKD setzt sich nämlich nicht mit der Sache selbst auseinander, sondern mit einer anderen, die nur rein äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit damit hat, so wie man einst Gottfried Benn böswillig eine jüdische Herkunft unterstellte, weil sein Name – trotz der beiden „n“ – irgendwie den Eindruck machte, als wäre er jüdisch.

 

„Benn“ und „Ben“ kann man leicht verwechseln. Wie „Mann“ und „man“. So weit war es bei den Nazis gekommen. Man kann es als deutliches Zeichen dafür sehen, dass sich ihr Rassenwahn zu diesem Zeitpunkt bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befand.

 

Die Bezeichnung „Gender-Wahn“ ist umstritten – sie scheint mir gerechtfertigt. Auch hier ist längst ein fortgeschrittenes Stadium erreicht. Die Vollstrecker der Gender-Lehre legen inzwischen einen Fanatismus und eine Unerbittlichkeit an den Tag, die einen gruseln lassen.

 

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Die neuen Angriffe der Sprachkontrolleure, die sich als „Vorschläge“, „Anregungen“ und „Empfehlungen“ tarnen, wirken wie ein einziger Aufschrei, als wollten sie fragen: „Wie deutlich müssen wir eigentlich noch werden, damit ihr verstockten Männer und elenden Frauenversteher endlich merkt, was hier los ist?! Wir hassen euch! Nehmt uns endlich ernst! Wie oft müssen wir noch wiederholen, dass es Hass ist, der uns leitet?!“

 

Was machen die Männer? Sie kuschen. Die Politiker in den etablierten Parteien würden eher auf Diätenerhöhungen verzichten als darauf, von „Bürgerinnen und Bürgern“ zu sprechen. Eine aktuelle Umfrage unter deutschen Professoren hat ergeben, dass sich über neunzig Prozent von ihnen heute nicht mehr trauen, das Wort „Studenten“ auszusprechen, aber kein Problem damit haben, das Wort „Ficken“ in ihren Vorlesungen zu verwenden.

 

So wird die feministische Hass-Rede zum offiziellen Sprachgebrauch. Es ist verrückt. Denn andererseits soll die so genannte „hate-speech“ strafrechtlich verfolgt und in den sozialen Medien gelöscht werden. Aber es passt auch: Wenn der Hass zur Amtssprache wird, dann muss der Hass von Amts wegen an anderer Stelle gesucht und gefunden werden.

 

So kommt es zu einer Schieflage in der Wahrnehmung links- oder rechtsradikaler Sprüche. So kommt es zu einer unterschiedlichen Bewertung der Äußerungen von Männern und von Frauen. So kommt es, dass Sprüche wie – ich entschuldige mich im Voraus für die kommenden Zitate – „Deutschland verrecke, du mieses Stück Scheiße“ oder „Ficken für den Volkstod – anal“ lässig durchwinkt werden, aber Empörung ausbricht, wenn jemand eine nationale Identität für wünschenswert hält. So kommt es, dass man jungen Frauen, die von „sexistischer Kackscheiße“ sprechen, freudig applaudiert und sie bittet, das noch einmal zu wiederholen, aber andererseits eifrig nach Masku-Trollen sucht, die man sperren muss.

 

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In den Broschüren der Amadeu Antonio Stiftung findet sich ein neuer Ausdruck für den Hassenden, nämlich: „Hater“. Groß geschrieben, englisch ausgesprochen, rein männlich. Es gibt keine „Haterinnen und Hater“, es gibt nur „Hater“. Nicht zu verwechseln mit „Heten“ ­– eine abfällige Bezeichnung für Heterosexuelle, auch „Heteros“ genannt. Nicht zu verwechseln mit „Hereros“– ein Hirtenvolk im Süden Afrikas, das während der deutschen Kolonialzeit fast vollständig ausgerottet wurde (ca. 80% der Hereros kamen um). Doch genug der Wortspiele und der möglichen Verwechslungen:

 

Wir haben hier ein Musterbeispiel für die Kindergarten-Weisheit: „Wer es sagt, isses selber, das wissen alle Kälber!“ Projektion pur. Diejenigen, die von Hass vergiftet sind, wollen andere dafür bestrafen, weil sie (angeblich) das tun, was sie selber (tatsächlich) tun.

 

Hier dazu ein aktuelles Video – in Englisch. Es geht darum, Lager für Männer einzurichten. Da war doch was. Hat es nicht mal einen Skandal gegeben, als jemand sagte, leider gäbe es keine Lager mehr … (oder so ähnlich)?

Lager für Männer

 

Siehe auch: ‚Schriftsteller, Gruppensex und Sprachmörder’