Mit Vollgas in die falsche Richtung

Wie – und warum – hat sich unsere Sprache verändert?

Teil 1

 

Gute Frage. Darüber soll auch im Rahmen des evangelischen Kirchentages gesprochen werden. Bei einer Genderdebatte unter dem Titel „Für eine sanfte Revolution der Sprache“ (siehe unten), an der ich teilnehmen werde, sollen wir uns fragen, wie weit wir schon gekommen sind mit der Entwicklung einer „geschlechter- und gendergerechten Sprache“.

 

Das wollte ich schon lange wissen. Ich möchte hier kurz die Entwicklung aus meiner Sicht beschreiben. Doch zunächst will ich ein Zitat voranstellen: Konfuzius wurde einmal gefragt, was er als erstes machen würde, wenn er ein Land zu regieren hätte.

 

„Ich würde vor allem die Sprache verbessern. Wenn die Sprache nicht einwandfrei ist, sagt man nicht, was man meint. Wenn das Gesagte aber nicht das ist, was man meint, bleibt ungetan, was getan werden soll. Wenn es ungetan bleibt, verfallen die Sitten und Künste und das Recht geht in die Irre. Wenn das Recht in die Irre geht, ist das Volk hilflos und unsicher. Deshalb darf in dem, was gesagt, nichts Willkürliches sein. Es gibt nichts Wichtigeres.“

 

So ist es. Unsere Sprache ist verdorben und wir gehen in die Irre. Wie konnte es dazu kommen? In zwei Schritten: im ersten haben wir uns abgewöhnt, uns weiterhin eine Zusammengehörigkeit von Frauen und Männern vorzustellen. Stattdessen sollten wir Frauen und Männer als grundsätzlich getrennt voneinander ansehen, als lebten sie nicht miteinander, sondern gegeneinander. Im zweiten Schritt sollen wir das Geschlecht grundsätzlich in Frage stellen und ganz neu denken. Ich will in diesem Teil zunächst nur den ersten Schritt vorstellen.

 

 

Mit Vollgas in die falsche Richtung

Wer A sagt, muss auch B sagen. Sagt der Volksmund. Bertholt Brecht ist da anderer Meinung. Er findet, wer A gesagt hat, muss nicht B sagen, er kann auch einsehen, dass A falsch gewesen ist. Doch wer mag schon zugeben, dass er bisher etwas falsch gemacht hat? Mark Twain hat es so zusammengefasst: Es ist leichter die Menschen zu täuschen, als ihnen klar zu machen, dass sie getäuscht worden sind.

 

Wir sind getäuscht und schrittweise in die falsche Richtung gedrängt worden und können uns nicht mehr erinnern, wann wir angefangen haben, A zu sagen, obwohl wir es gar nicht sagen wollten und damals schon als falsch empfunden haben. 

 

Friedrich Schiller meinte: „Wie menschlich Menschen sind, zeigt ihr Umgang mit der Muttersprache.“ Das ist lange her. Die feministischen Sprachforscherinnen sehen unsere Muttersprache als böse „Männersprache“, die Frauen unterdrückt. Sie muss dringend menschlicher gemacht werden, indem man sie weniger männlich macht – je weniger Mann, desto mehr Mensch, lautet die Parole. Sie behaupten sogar, dass Frauen durch die Sprache, wie sie bisher war, vergewaltigt würden.

 

Die wollen bestimmt nur spielen

Luise F. Pusch und Senta Trömel-Plötz sind die lautesten Wortführerinnen. Auch wenn ihre Namen so klingen, als hätte Loriot sie ausgedacht, sie haben keinen Humor. Sie sind nicht bloß unfreundlich, sie sind feindselig. Sie gefallen sich in Sticheleien.

 

Luise F. Pusch findet, dass man Frauenfußball lieber „Fußball“ nennen sollte und das, was wir bisher unter „Fußball“ verstanden haben, als Männerfußball bezeichnen sollten; denn nur Frauenfußball sei richtiger Fußball. Vielleicht hat so ein Auftreten dazu beigetragen, dass man solche Stimmen nicht ernst genommen hat. Man hat nur müde gelächelt, wenn man ein Schreiben an die „Mitgliederinnen und Mitglieder“ erhielt. Man hat das als Kuriosität durchgehen lassen. Linke Tagesszeitungen wie die ‚taz’ und das ‚Woz’ haben das umso begeisterter aufgegriffen und das so genannte Binnen-I – wie in LeserInnen – kreiert, um damit zu betonen, dass sie Frauenanliegen in jeder Hinsicht unterstützen.

 

Erst sollten wir Innen-Schwänzchen anhängen

Wir haben seit den siebziger Jahren eine regelrechte Innen-Invasion erlebt. Schriftsteller hießen nun: „SchriftstellerInnen“, „Schriftsteller(innen)“, „Schriftsteller/innen“, „Schriftsteller-innen“ oder „Schriftstellerinnen und Schriftsteller“. Wir wurden überschwemmt mit Innen-Formen, mit Doppelnennungen, Schrägstrichen und Klammern, die dazu führten, dass die Sprache unaussprechlich wurde und dass unser Computer eine BenutzerInnenoberfläche hat. Viele Männer haben das als Gebot der Höflichkeit missverstanden. Darum ging es nicht. Es ging darum, die Geschlechter-Apartheid einzuführen.

 

Die Kluft zwischen Männern und Frauen sollte vertieft werden. Die feministische Parole „Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad“ beschreibt die grundsätzliche Unversöhnlichkeit der Geschlechter, sie beschreibt eine Dissoziation (im Gegensatz zur Assoziation). Männer und Frauen leben demnach in verschiedenen Sphären; dass sie jemals etwas miteinander zu tun haben könnten, liegt außerhalb ihrer Vorstellungswelt. Feministen wollen keine Vereinigung der Geschlechter. Sie wollen die Scheidung, die seit der Reform des Scheidungsrechtes von 1976 zu einem Massenphänomen geworden ist.

 

Dabei ist die Innen-Form überflüssig; wir konnten uns bisher sehr gut ohne Innen-Schwänze verständigen. Ich bin so alt, ich kann mich noch erinnern. Wenn ich sagen wollte, dass beispielsweise eine Gruppe von Schriftstellern ausschließlich aus Frauen besteht und ich das gesondert hervorheben wollte – was meistens nicht der Fall war –, dann konnte ich sagen „weibliche Schriftsteller“. Man konnte das sogar differenzieren und von „überwiegend weiblichen“ oder „ausschließlich weiblichen“ Schriftstellern reden. Voraussetzung ist dabei, dass die Bezugsgruppe als einheitliche Gruppe erhalten bleibt und dass es einen gemeinsam genutzten Begriff für diese Gruppe gibt – nämlich die „Schriftsteller“.

 

Die Formulierung „weibliche Schriftsteller“ erscheint uns deshalb so ungewöhnlich, weil wir sie (fast) nie benutzt haben. Es gab dafür keinen Anlass. Es gibt auch heute keinen. Wir brauchen keine Innen-Form. Die Innen-Form ist das „Willkürliche“, von dem Konfuzius meint, dass es so etwas in der Sprache nicht geben dürfe. Sie beruht auf dem Missverständnis, dass das grammatische Geschlecht eine Aussage über das natürliche Geschlecht mache.

 

Politisch korrekt, sachlich falsch

Exklusiven Frauengruppen wurden damals überhaupt erst erschaffen oder einfach behauptet. In der Zeit entstanden Frauenhäuser, Frauenbuchläden, Frauenparkplätze, Frauentaxen, Frauencafés und schließlich mit Rita Süssmuth erstmalig ein Ministerium für „Frauen“. Damit wurde der Sprachfeminismus amtlich und in der Politik hörte man von nun an Doppelnennungen.

 

Wenn Ursula von der Leyen über die gefallenen deutschen „Soldatinnen und Soldaten“ spricht, tut sie das aus Prinzip, nicht etwa, weil tatsächlich ein weiblicher deutscher Soldat in Afghanistan gefallen wäre. Die „gerechte“ Ausdrucksweise ist wichtiger geworden als die angemessene. Ideologie triumphiert über Wirklichkeit. Die Sprache wird unwahrhaftig.

 

Arthur Brühlmeier hatte schon früh vor den Risiken und Nebenwirkungen der Doppelnennung und der Innen-Form gewarnt, unter dem Titel „Sprachfeminismus in der Sackgasse“ kann man das nachlesen. Was ist das Problem? Es geht uns mehr und mehr der Begriff für das Gemeinsame verloren und damit verlieren wir auch eine Vorstellung von dem Gemeinsamen. Wir erleiden, wie es Arthur Brühlmeier sagt, den „Verlust des wichtigsten Oberbegriffs der deutschen Sprache, nämlich des allgemeinen, nicht unter geschlechtlichem Aspekt ins Auge gefassten Menschen.“ Friedrich Schiller dreht sich im Grabe um (aber das tut vermutlich sowieso).

 

Ein Bruch ohne gemeinsamen Nenner

Am Wahlabend wird nur noch von „Wählerinnen und Wählern“ gesprochen. Bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg wird von „Baden-Württembergerinnen und Baden-Württembergern“ gesprochen, als hätten wir es mit einem Bundesland zu tun, das aus zwei Landesteilen zusammensetzt ist und einen gemeinsamen Namen führt – nämlich Baden-Württemberg –, allerdings unter einer Wählerschaft leidet, die aus zwei Gruppen besteht, die sich auf keinen gemeinsamen Namen einigen konnten: „Wähler“ empfinden sie nicht als richtige Bezeichnung und reden von „Wählerinnen und Wähler“.

 

Was uns zunächst als unbedeutende Verrücktheit erschien, ist inzwischen zur Norm geworden. Aus dem Abseitigen wurde das Gängige. Wie konnte soweit kommen? Schritt für Schritt. Erst sagten wir A, dann sagten wir B. Wir haben erst eine Kröte geschluckt, dann unser Geschmacksempfinden verloren und schlucken nun eine Kröte nach der anderen.

 

Idiotinnen und Idioten durch Trennung

Eine weitere Station auf dem Weg in die falsche Richtung war die Bibelübersetzung in „gerechter“ Sprache. Da lesen wir von „Makkabäerinnen und Makkabäern“, als hätte es damals schon eine bisher verschwiegene Geschlechtertrennung gegeben. Wir nehmen das hin, auch wenn wir wissen, dass es falsch ist. Es gab auch keine „Jüngerinnen“. Die Bibelübersetzung ist sowieso keine „Übersetzung“, also eine Übertragung von einer Sprache in eine andere, sondern eine Interpretation – was eine Übersetzung nicht sein darf.

 

Eine „gerechte“ Sprache gibt es nicht. Gerechtigkeit kann man nicht beanspruchen, sie wird einem zuteil. Von einer neutralen Instanz. Wer aber sollte in dem Fall als neutrale Instanz Gerechtigkeit schaffen und ein gerechtes Urteil fällen? Wenn sich die Klägerin selbst zum Richter macht, entsteht eine Tyrannen-Gerechtigkeit, besser gesagt: eine Tyranninnen-Gerechtigkeit.

 

Egal. Wir Leserinnen und Leser haben uns daran gewöhnt wie die Idiotinnen und Idioten. Wir nehmen die Falschheiten hin. Nun reden wir so: „Frauen sind die besseren Autofahrerinnen und Autofahrer“. „Der Kantonstierarzt beziehungsweise die Kantonstierärztin oder der beziehungsweise die an seiner beziehungsweise ihrer Stelle eingesetzte Tierarzt beziehungsweise Tierärztin …“

Dieses war der erste Streich. Eine kleine Zusammenfassung und ein paar Tipps:

 

Fußnoten:

Teil 1:

Geschlechtertrennung, Verlust der Gemeinsamkeit:
Erst hatten wir den Sprachfeminismus, der uns die so genannte „gerechte“, „geschlechtergerechte“ oder auch „geschlechtersensible“ Sprache gebracht hat. Von „gender“ war in den siebziger Jahren noch nicht die Rede, „gender“ war noch ein Fremdwort. Wir sollten zunächst Frauen bei jeder Gelegenheit explizit benennen, weil sie sich sonst – angeblich – diskriminiert fühlen. Tatsächlich sollte damit eine Männerfeindlichkeit zum Ausdruck gebracht und eine Geschlechterapartheid eingeführt werden. Die erste Phase steht im Zusammenhang mit der Einrichtung eines Ministeriums für Frauen und exklusiven Räumen für Frauen wie etwa den Frauenparkplätzen.

 

Die Sprachvorgaben in der ersten Phase verlangten die Innen-Form bei der Pluralbildung, die Doppelnennungen , das Binnen-I und die Abschaffung von Begriffen, in denen Frauen und Männer gemeinsam Platz finden. Wir sagten also: „SchriftstellerInnen“, „Schriftsteller(innen)“, „Schriftsteller/innen“, „Schriftsteller-innen“ oder „Schriftstellerinnen und Schriftsteller“ – keinesfalls: „Schriftsteller“. Diese Form, die bisher als übergeschlechtliche Pluralform galt, wird nun trotz des weiblichen Artikels als „männliche Form“ gesehen, als „generisches Maskulinum“ und muss deshalb gemieden und bekämpft werden.

Tipps:

Woher kommt der Dampf?

Viele halten die geschlechtergerechte Sprache für eine Politikersprache, die wir nicht ernst nehmen müssen. Der Amtsschimmel wiehert eben gerne. Doch mir fällt etwas auf. Die Sprache der Verwaltung und der Bürokratie war früher eine beliebte Zielscheibe für Hechelscherz und Spottlob (diese Begriffe hatte einst Joachim Heinrich Campe vorgeschlagen als Ersatz für „Ironie“). Über die feministische Sprache wird selten gespottet. Hier hört der Spaß auf. Vielleicht liegt es daran, dass die Auseinandersetzung über den Sprachfeminismus jenseits von Ernsthaftigkeit und Humor liegt – d.h. man kann nicht ernsthaft darüber diskutieren und auch nicht darüber lachen. Die Scharfmacherinnen sind humorfern, sie stehen voll unter Dampf. Sie sind diejenigen, bei denen wir nachschauen sollten, was sie über die Sprache sagen. Alle anderen sind nur Mitläuferinnen, sie sind nur die Anhänger. Wer aber sind die Lokomotiven?

 

Soldatinnen und Soldaten

Wie verkrampft sich das anhört, sieht – und hört – man hier.

 

Arthur Brühmeier

hat mir geschrieben, dass sein Eintrag bei Wikipedia immer wieder verschwindet. Seinen hier zitierter Text, auf den ich immer wieder gerne hinweise, halte ich für einen Schlüsseltext: er ist kurz, sachlich und in einem überaus freundlichem Ton geschrieben. Sprachfeminismus in der Sackgasse.

 

Für eine sanfte Revolution der Sprache

So heißt die Veranstaltung. Es wirken mit: Gesine Agena (Frauenpolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen), René_Hornstein (Vorstand Bundesverband Trans* (in dem Fall weist das Sternchen nicht auf eine Fußnote hin, sondern auf eine Besonderheit in der Frage der Geschlechtszugehörigkeit)), Prof. Dr. Martin Leutzsch (der über die Bibel in gerechter Sprache sprechen wird), Dr. Andrea Lassalle (GenderKompetenzZentrum – Netzwerker_innen).

 

Die Veranstaltung leitet Dr. Franz Ferdinand Kaern-Biederstedt. Er hat sie auch vorbereitet. Sie findet am Freitag dem 26. Mai um 11.oo Uhr statt, im „Kosmos“, Saal 10, Karl-Marx-Allee 131A in Berlin Friedrichshain. Sie hat den Titel: „Für eine sanfte Revolution der Sprache“. Einladende Impulse für die Genderdebatte. Zentrum Regenbogen.

 

 

 

 

Woher kommt der Dampf?

 

Über den Hass und die Hassenden.

Über Sprache, Sprachspiele und hate speech.

 

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Wir stehen vor großen Veränderungen. Unsere Sprache steht vor einer schweren Operation. Ich fürchte … nein, ich bin mir sicher, dass sie nicht gut ausgehen wird. Die Sprache wird danach hässlich und missgestaltet sein – wie nach einer missglückten Operation.

 

Man kann sich kaum vorstellen, dass so eine Operation überhaupt möglich ist, sie wird aber ernsthaft angestrebt. Es soll eine Art Geschlechtsumwandlung der Sprache stattfinden. Das ist etwas Neues, bisher nie Dagewesenes.

 

Bisher haben sich Veränderungen in der Sprache hauptsächlich auf den Wortschatz beschränkt. Modeworte kamen und gingen; die Bewertung bestimmter Begriffe änderte sich. So weit, so gut. Doch nun soll in die Struktur eingegriffen werden, in die Grammatik, in das Regelwerk. Das geht zu weit, das ist nicht gut.

 

Es wird verordnet. Die Gleichstellungspolitik hat es vorgemacht. Sie wurde bekanntlich, so wird es immer gesagt, als Querschnittsaufgabe – Achtung: nun kommt das verräterische Wort ­– „implantiert“. Nun soll auch die Sprache ein Implantat kriegen: die Innen-Form. Damit sie „geschlechtergerecht“ wird. So heißt es. In Wirklichkeit wird damit der Sexismus in den Sprachkörper eingesetzt wie bei einer Organtransplantation.

 

Das Ansinnen ist nicht neu. Mit der Innen-Form müssen wir uns schon seit mehr als dreißig Jahren herumquälen. Neu ist, dass die Vorschläge als Vorschriften auftreten. Ich hatte das lange für eine Modetorheit gehalten. Inzwischen habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass sich der Krampf von alleine legt und der Spuk wieder verschwindet. Es ist schlimmer geworden. Hinter den Handreichungen und Ratschlägen stecken offene Drohungen gegen alle, die sich nicht beugen wollen. Es ist schon soweit, dass es als Vorwurf gilt, wenn jemand „bewusst nicht gendert“.

 

Kirchen, Gewerkschaften, Rundfunkanstalten, Parteien, Universitäten, Gemeinden – ja, man hat den Eindruck, dass jeder Alpen- und Tierschutzverein mitmacht – sie alle geben neue Anleitungen heraus, wie man „gendern“ soll, wie eine „geschlechtergerechte Sprache“ im Alltag umgesetzt werden kann.

 

Da erfährt man, wie man mit dem beweglichen Unterstrich, mit dem steil aufragenden Binnen-I, mit Doppelnennungen und mit dem hoch gestellten Sternchen umgehen soll, um nicht als rechtspopulistisch erkannt und verdammt zu werden. In Baden-Württemberg sollen die Vorgaben sogar in den Bildungsplan einfließen. Damit soll ein von Hass vergiftetes Sexismus-Modul fest in die Sprache implantiert werden. Was dann dabei herauskommt, soll künftig als neue Hochsprache gelehrt werden. Die Schwaben meinen es offenbar ernst mit ihrem Slogan: „Wir können alles, außer Hochdeutsch“.

 

Warum das? Ist es nötig? Ist es wichtig? Was steckt dahinter?

 

Bezeichnungen wie „die Studenten“, „die Wähler“ oder „die Schriftsteller“ werden von denen, die so eine Umgestaltung einfordern, (fälschlicherweise) als rein männlich angesehen, sie streiten den bisher gebräuchlichen Pluralbildungen grundsätzlich die Möglichkeit ab, übergeschlechtliche Bedeutung anzunehmen und erschaffen durch ihre hartnäckige und durchaus böswillige Fehlinterpretation ein Problem, das sie nun irgendwie lösen müssen (aber nicht können – um das vorwegzunehmen. Sie werden bei jeder Pluralbildung Schwierigkeiten haben. Für Gemeinsamkeiten wird es keinen Ausdruck mehr geben. Gemeinsamkeiten werden abgeschafft).

 

Aber warum? Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Eine bloße Mode wird es nicht sein – selbst wenn es so wäre: Dann wäre so eine Mode erklärungsbedürftig. Glaubt denn wirklich jemand, dass damit Frauen oder verkannten Transsexuellen ein Gefallen getan und ihre Situation spürbar verbessert wird? Hand aufs Herz – weiter links –, also: Wer glaubt das? Keiner? Eine. Gesine Agena von den Grünen. Dachte ich’s doch. Sonst noch jemand?

 

Was also steckt dahinter?

 

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Am Anfang der Misere stand die Misandrie – auf deutsch gesagt: Die Triebkraft dahinter ist ein tief sitzender Männerhass. Wir mögen diesen Hass nicht zur Kenntnis nehmen. Auf keinen Fall: Wir gucken nicht hin, hören nicht zu, lesen nicht nach. Dennoch. Es gibt ihn – und es ist dieser tief sitzender Hass, der die Fehlinterpretation hervorgebracht hat, dass wir es mit einer „männlich dominierten“ Sprache zu tun haben.

 

Seit sich der Hass flächendeckend ausgebreitet hat, gelten alle bisher unverdächtigen Begriffe, die jedoch neuerdings als „männlich“ angesehen werden, als kontaminiert und müssen ausgemerzt werden. Ihnen soll kein weiteres Bleiberecht in der politisch korrekten Sprache zugebilligt werden.

 

Eine männliche Form irgendwo zu identifizieren, heißt bereits, sie zum Abschuss frei zu geben. Keinesfalls sagt man: „Na gut, dann ist es eben eine männliche Form, das soll es geben; männliche Formen gehören dazu“. So könnte man ja denken – gerade wenn man es mit der geforderten Gleichbehandlung ernst meint. Mit Gerechtigkeit. Mit Sensibilität. Aber nein. Männliche Formen soll es nicht geben. Nicht mehr. Die müssen weg. Dringend.

 

Alles, was auch nur entfernt nach „Männern“ aussieht, soll ausgemistet werden. Daher müssen aus „Feuerwehrmännern“ unbedingt „Feuerwehrleute“ gemacht werden, als wäre es bereits ein Unrecht, Männer überhaupt zu erwähnen. Es spricht ja nichts gegen die Feuerwehrmänner an sich – nur dass es eben Männer sind.

 

Die männliche Form wird „voldemortisiert“, wie ich es in Anlehnung an den Gegenspieler von Harry Potter nenne – den gefürchteten Lord Voldemort, der die Verkörperung des namenlos Bösen darstellt und der derartig böse ist, dass man nicht mal seinen Namen nennen darf. Er ist „Du weißt schon wer“.

 

Es wird ganz offen von „toxischer Männlichkeit“ gesprochen. Der von Frauen gefürchtete „Männersprech“ gilt als zutiefst „inhuman“. Deshalb kommt es zu solchen Umbenennungen, wie sie der Verband der Schriftsteller jüngst vorgenommen hat, der sich in Verband der „Schreibenden“ umbenannt hat. Das muss sein.

 

Deshalb kommt es dazu, dass aus dem Studentenheim ein „Studierendenheim“ werden muss. Auch das muss sein. Diese Maßnahmen gehören zu einem groß angelegten Entgiftungs-Programm zum Nutzen der feministischen Volkshygiene. Da mitzumachen bedeutet anzuerkennen, dass Männlichkeit in allen seinen Erscheinungsformen schädlich ist und überwunden werden muss.

 

„Fußgänger“

Weg mit ihm! Der Fußgänger ist männlich. Ein „Gänger“ ist offensichtlich männlich, womöglich ist damit ein „Wiedergänger“ – auch „Widergänger“ geschrieben – gemeint, ein Untoter also, ein Zombie, eine Schreckensgestalt. Das kann nicht länger geduldet werden. Es muss „zu Fuß Gehende“ heißen. Das ist Vorschrift.

 

„Schneemann“

Oh, nein! Mustert sie aus, die bösen, patriarchalischen Begriffe, da kommt ja schon dieses scheußlich „-mann“ vor! Damit werden Frauen unsichtbar gemacht. Damit soll gesagt werden, dass Frauen nicht genauso durch und durch aus Schnee sein können wie Männer. Das ist Diskriminierung. Es muss „Schneeperson“ heißen.

 

„Teilnehmer“, „Mitarbeiter“

Hilfe! Bitte demnächst eine Trigger-Warnung, damit in Zukunft keine zartfühlende Frau mehr dem Überangebot von Männlichkeit hilflos ausgeliefert wird. Die männerdominierte Welt ersäuft ja förmlich in Testosteron. „Mitarbeitende“, „Teilnehmende“, muss es heißen. Da merkt man die Männlichkeit nicht so doll.

 

„Autofahrer“

Oh, nein. Ich kriege Atemnot. Wo geht es hier zum nächsten Schutzraum? Frauen sind die besseren Autofahrerinnen und Autofahrer, das ist statistisch erwiesen. Ich dachte sogar eine Schrecksekunde lang, da hätte jemand „Autobahn“ gesagt.

 

„Gäste“

Ich halte es nicht mehr aus. Ich kozze ab mit zwei Zett.

 

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So leiden sie. Und wenn Frauen leiden, nehmen Männer reflexartig Rücksicht: Bitte sehr, gern geschehen. Sie wollen keinesfalls, dass ihnen mit der furchtbaren Männersprache, die früher verharmlosend „Muttersprache“ genannt wurde, Gewalt angetan wird, und so ersetzen sie bereitwillig und wohl auch ein bisschen verschämt das böse Wort „Schriftsteller“ oder das böse Wort „Student“.

 

Wie macht man das? Entweder durch die Doppelnennung „Schriftstellerinnen und Schriftsteller“ oder „Studentinnen und Studenten“ (wirklich ersetzt wird das Gift damit nicht, aber die männliche Form wird zwangsweise verpartnert und die schädliche Auswirkung wird dadurch eingehegt und etwas abgemildert) oder eben durch die (vermeintlich) neutrale Form „Schreibender“ oder „Studierender“. Beides ist falsch und hat riesige Nebenwirkungen. Das ist den Sprachsexisten aber scheißegal. Entschuldigen Sie bitte die Ausdrucksweise. Es ist sonst nicht meine Art.

 

Nun denken Sie – liebe Leser – womöglich, ich hätte bei den vorhin beschriebenen Reaktionen ein wenig übertrieben und den Hass und die Dummdreistigkeit, mit der er sich zu erkennen gibt, zu dick aufgetragen. Dann wissen Sie nicht, wie sich Senta Trömel-Plötz zu dem Thema äußert, sie schreibt über ‚Gewalt durch Sprache’, so der Titel ihres Buches und berichtet darin, ‚Wie Frauen in Gesprächen vergewaltigt werden’, so der Untertitel.

 

Noch mal langsam: Männer „vergewaltigen“ Frauen durch „Gespräche“. So lautet der Vorwurf. Michael Gwosdz, der Vize der Hamburger Grünen, der nach den Vorfällen in Köln mit der Bemerkung auftrumpfte, „Als Mann weiß ich, jeder noch so gut erzogene und tolerante Mann ist ein potenzieller Vergewaltiger. Auch ich“, sollte unter diesen Umständen am besten gar nichts mehr sagen. In seinem Fall wäre das auch angebracht.

 

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Senta Trömel-Plötz kann späte Triumphe feiern: Ihre Forderungen fließen nun – wenn auch mit gewisser Verspätung – in die Politik ein und werden zu Vorschriften für alle Duckmäuser, die sich nicht schon allein durch ihren Sprachgebrauch als Gegner des Gender-Mainstreamings zu erkennen geben wollen. „Frauen kommen langsam, aber gewaltig“, hieß es in einem Lied von Ina Deter, falls sich noch jemand erinnert. So sieht es aus. Frau Senta Trömel-Plötz klagte schon in den siebziger Jahren, dass Frauen unter der Männersprache zu leiden hätten. Nun wird endlich etwas dagegen gemacht.

 

Ich wiederum meine, dass unsere Muttersprache unter Frauen wie Senta Trömel-Plötz zu leiden hat. Sie kennen Senta Trömel-Plötz nicht? Sie zählt neben Luise F. Pusch zu den führenden Theoretikerinnen der feministischen Linguistik, ihre Vorgaben werden nun besinnungslos nachgebabbelt. Ihre Bücher sind „Bestsellerinnen“, wie sie selber scherzhaft sagen; denn die beiden haben nicht nur ein besonderes Verhältnis zu Vergewaltigungen (dazu sage ich lieber nichts), sie haben auch einen speziellen Humor (dazu könnte ich was sagen, tue es aber nicht).

 

Dennoch. Die Schriften dieser beiden Vordenkerinnen sind weitgehend unbekannt. Viele denken womöglich, die Namen Senta Trömel-Plötz und Luise F. Pusch kämen in einem der beliebten Sketche von Loriot vor, die jeder kennt und jeder mag. Aber nein. Sie kommen vielmehr in ungeliebten Propaganda-Texten vor, die kaum jemand kennt. Die so genannten Bestsellerinnen sind gar nicht so weit verbreitet, wie man das von Bestsellern erwartet. Das macht nichts. Die Anhängerinnen der geschlechtergerechten Sprache folgen ihren Vordenkerinnen blind und blöd. Sie sind wie Gefolgsleute des Kommunismus, die so tun, als wären sie hundertprozentig überzeugt, aber noch nie was von Marx und Engels gehört haben.

 

So sind sie, die besinnungslosen Anhängerinnen, Nachbeterinnen und Dummschwätzerinnen. Sie sind nicht informiert. Sie sind nicht neugierig. Sie wissen alles. Sie kennen die Welt: Ihre Welt ist streng in zwei übersichtliche Lager geteilt: weiblich/männlich, gut/böse. Das reicht ihnen als Weltanschauung. Schließlich gehören sie zu den Guten. Das wollen sie möglichst in jedem Satz zum Ausdruck bringen.

 

Sie sind bigotte Frömmler. Sie sind wie Leute, denen es beim Beten einzig darum geht, dass alle sehen, dass sie brav die Hände gefaltet haben. Viele von denen, die treudoof … Ja, ich schreibe das mit voller Absicht und wiederhole es noch einmal für die, die ich meine und nicht nur mitmeine, also: Viele von denen, die treudoof den sprachfeministischen Vorgaben folgen und vor lauter Begeisterung über ihre Kriecherei im Brustton der Überzeugung verkünden, dass sie mit den Sprachvorschriften „keine Probleme“ hätten, würden womöglich welche bekommen, wenn sie einen flüchtigen Blick in eines der Bücher werfen und nachlesen, wie hasserfüllt da die Zersetzung der Sprache begründet wird. Wer nach Sätzen sucht, die für totalitäres Denken typisch sind – da werden Sie geholfen.

 

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Luise F. Pusch empfiehlt, Jungs, die sich in der Schule nicht dem Sprachfeminismus beugen wollen, zu schlagen (das schade ihnen nicht, meint sie); grundsätzlich tue es Männern gut, wenn sie leiden müssen. Schließlich haben Männer – und zwar grundsätzlich alle! – Schrecken und Elend verbreitet. Deshalb sollen nun auch die Jungen in Sippenhaft genommen werden und büßen … Zwischenfrage: Sollen sie etwa wegen der vielen Vergewaltigungen durch Sprache büßen? Klar. Doch das ist nicht alles. Luise F. Pusch spricht von einem „Gynozid“.

 

Wer es nicht auf Anhieb verstanden hat, hier noch mal in Zeitlupe: Gy-no-zid! Es ist ein Wortspiel. Es ist zusammengesetzt aus den Bestandteilen „Genozid“ und „Gynäkologie“ und soll verdeutlichen, wie sehr Frauen unter der „Männersprache“ zu leiden haben. Es ist einfach unfassbar. Mit Worten kann man das nicht beschrieben. So schlimm ist das. Es sprengt unser Vorstellungsvermögen. Womöglich ist Luise F. Pusch von ihrer Heldin Mary Daly inspiriert, die ebenfalls gerne Wortspiele machte – wie das, in dem aus dem ahnungslosen Therapeuten (therapist) der Vergewaltiger (the rapist) wird. Mary Daly wurde mit ihrem Buch mit dem bemerkenswerten Schrägstrich-Titel ‚Gyn/ökologie’ berühmt.

 

Solche Geschmacklosigkeiten sind keine Ausrutscher. Sie sind das besondere Kennzeichen des Feminismus. Sie sind das Alleinstellungsmerkmal. Sie sind nicht vom Feminismus zu trennen. Sie sind auch nicht zu übersehen, selbst wenn sich viele angestrengt darüber hinwegtäuschen wollen. Es gibt immer noch Zeitgenossen, die sich freudig dazu bekennen, Feministen zu sein, Radikalfeministen sogar – so genannte Radfems –, doch wenn man sie fragt, was sie von Kate Millet, Mary Daly, Germaine Greer, Shulamith Firestone, Valeri Solanas, Andrea Dworkin, Sally Miller Gearhart und anderen Klassikern des Feminismus halten und wie sie zu den Vernichtungsfantasien stehen, die sich da offenbaren, dann … äh, ja … dann tun sie so, als würden deren Schriften und Forderungen (falls sie ihnen überhaupt bekannt sind) irgendwie nicht gelten und sie gucken einen an, als würde sie die Frage, ob sie schon mal auf den Gedanken gekommen sind, dass ‚Mein Kampf’ irgendwas mit Faschismus zu tun haben könnte, intellektuell überfordern.

 

Sage keiner: „Das war einmal!“ Sage keiner, dass es heute besser ist. Die Newcomer sind nicht besser als die Oldtimer. Sie sind schlimmer. Jedenfalls peinlicher. Da malen sich junge Frauen Hakenkreuze auf die nackten Brüste oder den Spruch „Thanks Bomber Harris“. Sie tuschen sich ein neckisches Bärtchen unter das Näschen und stellen sich breitbeinig vor das Barbie-Haus oder vor die Herbertstraße und rufen „Arbeit macht frei!“ Sie setzen den Hashtag #killallmen in die Welt und die Femithestin (so nennt sie sich wirklich) greift die Forderung, das männliche Geschlecht auf zehn Prozent zu reduzieren, zum soundsovielten Male neu auf. So sieht er heute aus – der real existierende Feminismus, wie er gehätschelt und getätschelt wird.

 

Nicht zu vergessen: die Femen – sind sie nicht entzückend?! Sie posieren barbusig mit einem abgeschnittenen Hodensack in der ausgestreckten Hand und mit einer blutigen Sichel in der anderen und erklären, dass das Blut (und zwar das der Männer) fließen wird. Noch Fragen?

 

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Die Vorschriften zur „geschlechtergerechten“ Sprache, wie sie scheinheilig genannt wird, kommen direkt aus der Hexen-Küche des radikalen Feminismus, aus dem Herz der Finsternis, dem Zentrum des Bösen. Da wurde schon seit Jahrzehnten gezündelt, um die „Entseuchung der Erde“ durch Reduktion der männlichen Population vorzubereiten und den Weg dahin durch Sprachmanipulation zu ebnen.

 

Die Hass-Sprache der Radfems soll nun die neue Hochsprache werden. Der Feminismus hat immer noch viele Anhänger. Aber das sind, wie der Name schon sagt, lediglich Anhänger. Die müssen wir nicht befragen. Die wissen nichts. Ausschlaggebend sind die Lokomotiven. Das sind Kräfte wie Daly, Pusch und Trömel-Plötz. Sie sind die Dampfloks des Feminismus. Sie stehen voll unter Dampf. Voll unter Druck. Denn es muss eine Energie geben, die das ganze in Bewegung bringt, die das ganze pusht. Das ist der Hass. Nun sollen wir alle mit der Pusch-Pusch-Eisenbahn fahren (um auch mal ein kleines Wortspiel zu machen).

 

Luise F. Pusch hat keine Hemmungen, Männer zu verdammen. Die Nazi-Keule ermöglicht ihr den großen Rundumschlag (Achtung: Es folgt ein Zitat, in dem drei „die“ hintereinander kommen, was irgendwie musikalisch, aber auch wie Gestammel wirkt): „Männer, die sich angesichts der Verbrechen ihrer Geschlechtsgenossen nicht schämen, gehören in dieselbe Sparte wie die, die die Verbrechen der Nazis leugnen.“

 

Also: Nazis raus aus der Sprache, damit wenigstens da keine Verweise mehr auf irgendetwas Männliches verbleiben. Dabei ist Luise F. Pusch noch vergleichsweise nett; sie ist so etwas wie die Provinz-Ausgabe von Mary Daly, die sich das Ziel gesetzt hat, eine Sprache für Frauen zu entwickeln, die Frauen „hymnisch“ feiert und frei von „Patriarchalismen“ ist. Sie steht ganz offen zu ihrem bodenlosen Hass. Mary Daly verabscheut allein schon das Wort „Mann“, wie sie selber sagt, aufs „Äußerste“.

 

Alles klar?

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Mary Daly posiert mit ihrem Markenzeichen: der Doppelaxt

 

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Femen mit abgeschnittenem Hodensack und blutiger Sichel

 

„Wozu sind Männer gut? (…) Wir Frauen wissen nicht so genau, warum die Männer da sind. Ehrlich gesagt, haben wir uns die Frage wohl auch kaum je gestellt. Sie sind halt da, und das ist schlimm genug. Wir fragen uns wohl, wie wir ihnen am besten entkommen und sie überleben können, aber nicht, wozu sie eigentlich gut sind.“

Luise F. Pusch

 

Also muss alles mit „-mann“ weg, selbst das unschuldige, klein geschriebene „man“ mit kleinem n. Die evangelische Kirche in Deutschland EKD befasst sich in ihren Handreichungen für eine „geschlechtergerechte Sprache“ ebenfalls mit diesem „man“. Zunächst erklärt die EKD in ihrer Broschüre, dass dieses „man“ womöglich von „mana“ kommt, was „die Mutter aller“ heißt, da es aber identisch klingt wie „Mann“, wird es leicht verwechselt.

 

Da zucken die evangelischen Frauen zusammen. Da hat doch tatsächlich jemand „Mann“ gesagt. Furchtbar! Da stellt sich die Frage: Kann man evangelischen Frauen so etwas zumuten? Nein. Nicht in der Kirche. Da sollen sich die Frauen wohl fühlen. Diesen bescheidenen Wunsch kann man ihnen leicht erfüllen, so raunen es jedenfalls die evangelischen Frauenflüsterer, man muss nur dieses bedrohliche „man“ durch eine Umschreibungen im Passiv ersetzen (Ah … jetzt habe ich nicht aufgepasst und das Schreckenswort selber benutzt).

 

Was ist los? Die evangelische Kirche schlägt ernsthaft vor, das Wort „man“ nicht mehr zu benutzen. Ich fasse es nicht. Aber so ist es. Wegen Verwechslungsgefahr. Ich denke mir das nicht aus. Warum macht der evangelische Wächterrat einen verzeihlichen Irrtum (die Verwechslung von „Mann“ und „man“) zum neuen Gebot, nach dem man sich richten soll?

 

Sie arbeiten mit den Tricks von Betrügern. Sie lenken ab. Die EKD setzt sich nämlich nicht mit der Sache selbst auseinander, sondern mit einer anderen, die nur rein äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit damit hat, so wie man einst Gottfried Benn böswillig eine jüdische Herkunft unterstellte, weil sein Name – trotz der beiden „n“ – irgendwie den Eindruck machte, als wäre er jüdisch.

 

„Benn“ und „Ben“ kann man leicht verwechseln. Wie „Mann“ und „man“. So weit war es bei den Nazis gekommen. Man kann es als deutliches Zeichen dafür sehen, dass sich ihr Rassenwahn zu diesem Zeitpunkt bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befand.

 

Die Bezeichnung „Gender-Wahn“ ist umstritten – sie scheint mir gerechtfertigt. Auch hier ist längst ein fortgeschrittenes Stadium erreicht. Die Vollstrecker der Gender-Lehre legen inzwischen einen Fanatismus und eine Unerbittlichkeit an den Tag, die einen gruseln lassen.

 

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Die neuen Angriffe der Sprachkontrolleure, die sich als „Vorschläge“, „Anregungen“ und „Empfehlungen“ tarnen, wirken wie ein einziger Aufschrei, als wollten sie fragen: „Wie deutlich müssen wir eigentlich noch werden, damit ihr verstockten Männer und elenden Frauenversteher endlich merkt, was hier los ist?! Wir hassen euch! Nehmt uns endlich ernst! Wie oft müssen wir noch wiederholen, dass es Hass ist, der uns leitet?!“

 

Was machen die Männer? Sie kuschen. Die Politiker in den etablierten Parteien würden eher auf Diätenerhöhungen verzichten als darauf, von „Bürgerinnen und Bürgern“ zu sprechen. Eine aktuelle Umfrage unter deutschen Professoren hat ergeben, dass sich über neunzig Prozent von ihnen heute nicht mehr trauen, das Wort „Studenten“ auszusprechen, aber kein Problem damit haben, das Wort „Ficken“ in ihren Vorlesungen zu verwenden.

 

So wird die feministische Hass-Rede zum offiziellen Sprachgebrauch. Es ist verrückt. Denn andererseits soll die so genannte „hate-speech“ strafrechtlich verfolgt und in den sozialen Medien gelöscht werden. Aber es passt auch: Wenn der Hass zur Amtssprache wird, dann muss der Hass von Amts wegen an anderer Stelle gesucht und gefunden werden.

 

So kommt es zu einer Schieflage in der Wahrnehmung links- oder rechtsradikaler Sprüche. So kommt es zu einer unterschiedlichen Bewertung der Äußerungen von Männern und von Frauen. So kommt es, dass Sprüche wie – ich entschuldige mich im Voraus für die kommenden Zitate – „Deutschland verrecke, du mieses Stück Scheiße“ oder „Ficken für den Volkstod – anal“ lässig durchwinkt werden, aber Empörung ausbricht, wenn jemand eine nationale Identität für wünschenswert hält. So kommt es, dass man jungen Frauen, die von „sexistischer Kackscheiße“ sprechen, freudig applaudiert und sie bittet, das noch einmal zu wiederholen, aber andererseits eifrig nach Masku-Trollen sucht, die man sperren muss.

 

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In den Broschüren der Amadeu Antonio Stiftung findet sich ein neuer Ausdruck für den Hassenden, nämlich: „Hater“. Groß geschrieben, englisch ausgesprochen, rein männlich. Es gibt keine „Haterinnen und Hater“, es gibt nur „Hater“. Nicht zu verwechseln mit „Heten“ ­– eine abfällige Bezeichnung für Heterosexuelle, auch „Heteros“ genannt. Nicht zu verwechseln mit „Hereros“– ein Hirtenvolk im Süden Afrikas, das während der deutschen Kolonialzeit fast vollständig ausgerottet wurde (ca. 80% der Hereros kamen um). Doch genug der Wortspiele und der möglichen Verwechslungen:

 

Wir haben hier ein Musterbeispiel für die Kindergarten-Weisheit: „Wer es sagt, isses selber, das wissen alle Kälber!“ Projektion pur. Diejenigen, die von Hass vergiftet sind, wollen andere dafür bestrafen, weil sie (angeblich) das tun, was sie selber (tatsächlich) tun.

 

Hier dazu ein aktuelles Video – in Englisch. Es geht darum, Lager für Männer einzurichten. Da war doch was. Hat es nicht mal einen Skandal gegeben, als jemand sagte, leider gäbe es keine Lager mehr … (oder so ähnlich)?

Lager für Männer

 

Siehe auch: ‚Schriftsteller, Gruppensex und Sprachmörder’